Tuesday, 10 September 2013

the story so far...

Bangkok. mein Flug hatte 4 Stunden Verspätung, sodass ich erst gegen 2 Uhr Nachts in Bangkok auf der Kao San Road angekommen bin. Die Kao San Road ist DIE Straße für Rucksacktouristen. Viele kommen nur nach Thailand weil man billig trinken und feiern kann. So trifft man nachts auf dieser Straße völlig betrunkene Westler, von denen sich die meisten meiner Meinung nach ziemlich daneben benehmen. Sie verbringen ein paar Nächte in Bangkok und fahren dann in großen AC Bussen in den Süden Thailands, wo sie sich auf Fullmoonpartys noch mehr betrinken können und in billigen Neonshirts am Strand entlang laufen, oder Banananbootfahren können. Ich wusste ja Thailand ist touristisch. Ich hatte aber nicht damit gerechnet, dass man südlich von Bangkok mehr Europäer als Thais trifft. Außerdem bin ich aus Indien eine andere Form von Tourismus gewöhnt und habe mich daher die ersten paar Tage in Thailand garnicht sooooo wohl gefühlt. Ich habe in Bangkok jedoch zwei nette Belgier getroffen die mir einen ruhigen schönen Strand in Krabi empfohlen haben. Also hab auch ich mich in einen klimatisierten Bus gesetzt und habe mich auf den Weg gemacht. Der Tonsai Beach ist ein wirklich schöner Strand, an dem man hauptsächlich Kletterer trifft, die ihre Tage damit verbringen die super steilen Felsen hinaufzuklettern. Ich habe mich ein paar Österreichern angeschlossen und mich ebenfalls an einem kleinen Felsen versucht, obwohl mir ziemlich schnell die Arme schlapp wurden.
Ich habe die Tage damit verbracht in meiner Hängematte zu liegen und zu lesen. Immer wieder habe ich Besuch von anderen Reisenden bekommen, die mir Gesellschaft leisten wollten. Besonders wichtig ist dann immer die Frage was man schon alles gemacht hat. Welche Tempel man gesehen hat, wieviele Inseln man sich angesehen hat und wer die schönsten Strandfotos machen konnte. Sehenswürdigkeiten, Wassersportarten und andere Attraktionen sind unglaublich wichtig und scheinen zum Reisen unbedingt dazuzugehören.  So klappern viele einen Touristenort nach dem anderen ab, übernachten alle in den gleichen Hotels, welche von den Reiseführern empfohlen wurden, essen alle das gleiche Essen, machen die gleichen Fotos und wollen eine möglichst komfortable Reise. Ich merke, dass ich mich von dieser Form von Tourismus distanzieren möchte. Und trotzdem bin ich ein bisschen in diesem Netz gefangen.
 Alles in Allem hatte ich aber auch an diesem Strand eine schöne Zeit, habe mich mit vielen Kletterern gut verstanden und mich sehr darüber gefreut Sayeed kennen gelernt zu haben, einem Inder aus Kerala mit dem ich mich sogar in meinem sehr begrenzten Tamil unterhalten konnte. Außerdem habe ich anderen Reisenden im Tausch gegen ein Essen oder ein Bier, mit Henna die Hände bemalt und so interessante Leute getroffen.
Ich hatte aber nicht das Bedürfnis von einem überfüllten Strand zum anderen zu reisen und bin ein paar Tage dort geblieben, bis ich einen Australier getroffen habe, der in Cambodia wohnt und mir einige Reisetipps  gegeben hat. Ich habe mich zwei Mädels angeschlossen und bin mit dem Nachtbus zurück nach Bangkok, um einen Tag später nach Cambodia aufzubrechen.

 Im Bus habe ich Clemens getroffen, der ein Jahr in Indien studiert hat und mit dem ich zusammen nach Battambang gefahren bin, der Stadt in der ich mich momentan befinde. Nach einem langen komplizierten Grenzübergang sind wir nachts in Battambang ausgestiegen, haben Doller abgehoben und uns ein Guesthouse gesucht. In dieser Stadt gibt es kaum Touristen. Ich habe endlich das Gefühl in Asien angekommen zu sein. Nach unserem Frühstück haben wir uns ein Moped gemietet und sind durch die Vororte dieser Stadt gefahren, die mich total begeistert. Die Menschen sind uns heute so freundlich und hilfsbereit begegnet wie ich es lange nicht mehr erlebt hab. Wir wurden von einer Familie in den Garten gebeten, haben Bier getrunken, gegessen, Karaoke gesungen und ich habe mit den Kindern mit Stöcken im Sand Bilder gemalt. Einige Stunden haben wir so verbracht, uns mit Zeichensprache und gebrochenem Englisch unterhalten und sehr viel gelacht. Egal wie beeindruckend die Tempel von Angkor Wat wohl sind, die ich  in zwei Tagen besichtigen werde, wie schön die Strände und wie nett andere Reisende sind, bin ich so froh nur für ein paar Stunden mit dieser herzlichen Familie verbracht zu haben.

 Und plötzlich fühlt sich alles leichter an, die Palmen wirken grüner, das Lächeln der Menschen breiter, der Wind weht mir beim Rollerfahren durchs Haar und ich freue mich auf die nächsten Tage in diesem faszinierenden Land.

Tuesday, 12 June 2012

In eurem Land ist Sex umsonst!


Marlena: Habe ich dir von dem Typ aus den USA erzählt, den ich in Kerala getroffen habe?
 
Luise: Nee, haste nicht.

Marlena: Pass auf, ich war in Trivandrum am Bahnhof und habe auf meinen Zug gewartet.
Da hab ich einen Weißen gesehen. Cooler Typ mit richtig langen Dreadlocks.
Als sich herausstellte, dass James aus den USA kommt, haben wir uns über die Amerikaner, politische Sachen und so unterhalten. Er meinte, dass es ihm richtig unangenehm sei, zu sagen, dass er Amerikaner ist, da er sich Europäern, vor allem Deutschen gegenüber, oft rechtfertigen müsse, obwohl er gegen viele politische Entscheidungen ist und sich sehr stark von der Denkweise und dem Verhalten vieler Amerikaner distanziert.
Immer wieder hat er das Gefühl persönlich mit dafür verantwortlich gemacht zu werden.

Luise: Auch wenn er als Einzelperson nichts für das kann, was in Amerika so passiert, ist er im Ausland bei jeder Begegnung erst mal der „Ami“. Bei uns ist es aber doch auch so, dass  über Amerika in Diskussionen immer mal wieder negative Bemerkungen fallen. Trotzdem ist es ungerecht, wenn einzelne das zu spüren bekommen.

Marlena: Ich finde es heftig, dass er durch Kritik an seinem Land auch Kritik an sich als Person bekommt und sich in einer Unterhaltung als erstes immer verteidigen muss.
Dass ist doch echt anstrengend, wenn man aufgrund von Kategorisierungen anderer Leute als erstes aus einer Schublade herausklettern muss, in die man von irgendwem, der einen noch gar nicht kennt, gesteckt wurde.

Luise: Ja, dass kennen wir doch mittlerweile auch gut genug.
So oft wie wir schon angefasst, bedrängt oder blöd von der Seite von Männern angelabert wurden, weil wir als weiße Frauen für den sexuell aufgeschlossen Westen stehen. Da zählt auch als erstes nur die Hautfarbe, weil sie Aufschluss über die Herkunft gibt.

Marlena: Der Unterschied ist jedoch, dass wir im Gegensatz zu James gar nicht die Möglichkeit haben, das Bild der weißen Frau, die für alle Männer zu haben ist, zu revidieren.
Vor einigen Wochen zum Beispiel, wo uns im Dunkeln ein Inder auf dem Mofa gefolgt ist, um uns im vorbeifahren anzufassen, hatten wir doch gar keine Chance, groß zu reagieren und dieses Bild richtig zu stellen. Ich glaube ein großes Problem sind die Filme, in denen immer die weißen Frauen leicht bekleidet vor der Kamera tanzen...

Luise: Ja oder die Pornos, die sich die Männer immer im Internetcafé ansehen. Da spielen ja auch nur Weiße mit. Ein Deutscher, den ich mal getroffen habe, hat mir erzählt, dass er mit einem Inder gesprochen habe, der dachte, im Westen sei Sex umsonst und man kann einfach zu jeder gehen.  Der hat echt geglaubt, nur in Indien müsse man für Prostituierte bezahlen.

Marlena: Ey, wie krass ist das denn!!!

Luise:
Schon gut so, dass wir beide versuchen, uns in der Öffentlichkeit an den indischen Frauen zu orientieren, also uns zu bedecken, Augenkontakt und Gespräche mit Männern  zu vermeiden und so.

Marlena: Blöderweise gibt es ja aber überall Frauen, die dieses Klischee bedienen und in extrem kurzen sehr engen Kleidern im traditionellen Indien unterwegs sind, die allgemeine Aufmerksamkeit der Männer genießen und sich immer wieder mit ihnen fotografieren lassen.
Erinnerst du dich an die zwei Frauen in Agra? Die Highheels und Miniröcke an hatten?

Luise: Genau solche Frauen machen uns doch den Alltag in Indien schwer. Mich nervt es, dass wir unsere Freiheit hier so enorm einschränken müssen, um gegen diese Vorurteile anzugehen. Wie gerne würde ich mal außerhalb von Pondicherry kurze Sachen tragen... bei 40°C Grad...

Marlena: Oder auf langen Busfahrten nicht zu stehen und mich einfach neben einen Mann zu setzen. Ich vermisse es, mit offenem Blick durch die Straßen zu laufen.
Wie wir immer auf den Boden gucken und versuchen, nicht zu lachen, um nicht die Aufmerksamkeit der Männer auf uns zu ziehen und blöde Anmachen zu vermeiden.

Luise:  Aber uns sagen immer wieder Leute, dass das nur daran liegt, dass wir hier als Exoten für die Inder interessant aussehen, oder auch daran, dass weiße Haut dem indischen Schönheitsideal entspricht.
Das mag zum Teil auch stimmen, aber ich finde, dass ein Teil der Aufmerksamkeit auf einer eindeutigen sexuellen Ebene stattfindet.
 
Marlena: Die Frage ist, bis wohin wir tolerant sein können. Wie können wir Unterscheiden, ob ein Inder einfach nur aus freundlichem Interesse mit uns sprechen möchte oder versucht, uns anzumachen. Da haben es männliche Touristen einfacher, obwohl auch an ihnen selbstverständlich manchmal zu großes, aufdringliches Interesse gezeigt wird.

Luise: Du hast Recht, vor allem was das Unterscheiden angeht. Ich habe mich schon oft geschämt, weil ich gegenüber Indern, die mir einfach auf der Straße weiter helfen wollten, unfreundlich und abweisend war. Nachdem ich einmal zwei Inder abwimmeln wollte, kam ich dann doch noch mit ihnen ins Gespräch und würde sie mittlerweile als Freunde bezeichnen.

Marlena: Das ist doch eine Form von Rassismus. Ich meide Inder und versuche auf Reisen vor allem mit Westlern in Kontakt zu treten, weil es mir so schwer fällt, die Absicht einer Kontaktaufnahme durch Inder einzuschätzen.
Man sollte meinen, dass wir beide, die jetzt schon so lange in Indien sind, toleranter, offener und weniger vorurteilsbelastet geworden sind. Manchmal denke ich, dass das Gegenteil der Fall ist.

Luise: Ja, leider, ich ärgere mich über mich selber, dass ich den meißten Indischen Männern gegenüber eine grundsätzlich abwehrende Einstellung angenommen habe und wir fast nur zu Europäern Kontakt haben, welche in diesem Land ebenso Gäste sind wie wir.
Und obwohl ich das ja erkannt habe und auch total verabscheue, fällt es mir extrem schwer, dieses Verhaltensmuster wieder abzustreifen.

 Marlena:Vielleicht ist es eine Art Selbstschutzmechanismus für uns als Frauen, der sich aufgrund negativer Erfahrungen eingestellt hat.







Monday, 4 June 2012

„Hey, where are you from?“





Ich werde euch nun von meinem unglaublichen Trip in den Norden Indiens berichten.
Wie geplant sind Caro, Luise und Ich nach Chennai um dort unsere Flüge nach Kalkutta und Delhi zu nehmen. Da unsere Flüge morgens gingen, mussten wir eine Nacht in Chennai bleiben. Glücklicherweise, haben wir am Wochenende zuvor zwei Spanier kennen gelernt, die in Chennai arbeiten. Die beiden haben uns also angeboten in einem ihrer Zimmer in einem sehr edlen Hotel zu übernachten. So wurden wir zum Grillen eingeladen und sind noch ein Mal in den Swimmingpool gesprungen, bevor wir uns in das super weiche Bett schlafen gelegt haben.
Am nächsten Tag bin ich dann nach Kalkutta geflogen. Am Bahnhof hab ich ein Mädchen gefragt, wie ich mit günstigen Verkehrsmitteln in die Innenstadt komme. Ihre Mutter hat mich darauf hin direkt zu meinem Hotel gefahren. Mein Zimmer war so klein, dass ich mich kaum darin drehen konnte. Ich habe mich durch die Straßen Kalkuttas treiben lassen.Mir hat die Stadt ziemlich gut gefallen. Es spielt sich dort so viel Leben auf den Straßen ab. Frauen die Waschen, Kinder die auf der Straße spielen etc. Besonders in Kalkutta sind die Rikschas, die häufig von alten, sehr abgemagerten Männern gezogen werden. Ich kann nicht verstehen, wie sich sehr übergewichtige Touristen so durch die Stadt fahren lassen können und das ganze als billige Touristenattraktion sehen.

Gleich am ersten Tag habe ich den Franzosen Tom getroffen, der mir das Viertel und ein besseres Hotel gezeigt hat. So kam es dazu, dass ich in die modern lodge
umgezogen bin. Auf der Dachterrasse trafen sich abends die unterschiedlichsten Reisenden. So traf ich auf den alten Italiener Marco, der sich mit mir in sehr langsamen Spanisch über italienisches Essen, die deutsche Mentalität und die kulturellen Unterschiede in Südeuropa unterhalten hat. Letzteres ist zu eines meiner Lieblingsthemen geworden.

Insgesamt wurde viel Spanisch gesprochen. Ich habe dort Kolumbianer getroffen und Argentinier aber auch den Fotografen Bernardo aus Österreich, mit dem ich eigentlich am meisten Zeit verbracht habe. Er gehört zu den Indienreisenden, die so oft nach Indien kommen, dass sie Hindi sprechen. Bernardo wusste, wo es den besten indischen Straßenstand für frittiertes Essen gibt und welcher Saftladen zu empfehlen ist. Wir haben aber besonders Viel Zeit auf dem Dach verbracht, da ich als Fotomodell für eine Fotoreihe abgelichtet wurde. Die Fotos wurden dann zu einem Slowmotionvideo zusammengeschnitten.
Mit Tim und Tabetha war ich noch im botanischen Garten. Ich habe den größten Banyantree der Welt gesehen. Anschließend haben wir uns noch die größte Bibliothek Asiens angesehen und konnten zusehen, wie alte Bücher mit Hilfe von feinem Pergament, Chemikalien und Kleber Konserviert werden. Ich war dann noch mit dem Niederländer Jorge im größten Museum in Indien.
So gingen die Tage in Kalkutta dahin. Ich bin bestimmt 5-6 Tage geblieben. Nachts um 11 sollte ich im Zug nach Varanasi sitzen. Der Zug hatte aber Verspätung und ich musste bis um 4 Uhr warten. Der Bahnhof in Kalkutta hat mich an meine Kindheit erinnert, da ich sehr häufig meine Ferien in Zeltlagern verbracht habe. In Kalkutta legen sich, wie an den meisten Bahnhöfen auch, alle Menschen auf die Erde und schlafen, bis ihr Zug kommt. Dort konnte ich aber kaum die Farbe des Bodens erkennen, so viele Menschen haben auf den Boden geschlafen.
Ich fand es schön in Varanasi Luise und Caro zu treffen, 
die zuvor in Delhi waren.

Varanasi ist die heiligste Stadt Indiens. Es kommen viele Pilger, die im heiligen Ganges baden . Außerdem werden am Flussufer Tote verbrannt, deren Asche anschließend in den Fluss geleitet wird. Dies macht Varanasi auf jeden Fall zu einer ganz besonderen Stadt, mit einer sehr speziellen Atmosphäre. Leider hatte ich durch die Zugverspätung nur einen sehr kurzen Aufenthalt in Varanasi. Nach der einen Nacht im Hotel sind wir um sechs aufgestanden, um den Sonnenaufgang im Rahmen einer kleinen Bootstour auf dem Ganges genießen zu können. Das frühe Aufstehen hat sich auf jeden Fall gelohnt. 


In Varanasi haben Caro und Luise David aus London getroffen, der uns auf unserer Bootstour begleitet hat. Auch er ist ein klassischer Indien reisender. Er kam zum ersten Mal vor vielen Jahren nach dem Abi nach Indien. Seitdem arbeitet er ein halbes Jahr in England und reist das andere halbe Jahr durch Indien. Hier trifft man einige Reisende, die Indien so verzaubert hat, dass sie jedes Jahr wiederkommen.
 

 Am Nachmittag haben wir dann unseren Zug nach Agra genommen, um uns eines der bekanntesten und schönsten Gebäude der Welt anzusehen. Das Taj Mahal.


Ich war beeindruckt. Es ist definitiv das beeindruckendste Gebäude, dass ich bis jetzt gesehen habe. Ich hatte das Gefühl, es nicht ganz begreifen oder fassen zu können. Das Taj Mahal ist vielleicht vergleichbar mit meinem ganzen Indienjahr. Die Fotos können nicht alles zeigen. Meine Berichte werden dem echten Indien nicht ganz gerecht. Ihr müsst selber kommen und sehen wie alles in live ist. Ihr müsstet selber kommen um alles zu sehen und zu erleben. In Agra sind wir auch nur für eine Nacht geblieben und danach gleich weiter nach Jaipur, der Hauptstadt in Rajasthan. Ehrlich gesagt habe ich von Jaipur außer dem Markt nicht so viel gesehen. Es hat nicht lang gedauert, bis wir auf dem Markt zwei Landwirtschaftsstudenten aus Italien getroffen haben. Wir haben so lange über die gute italienische Küche geredet, bis wir uns kurzerhand in ein Auto gesetzt haben und zu dem italienischen Restaurant gefahren sind, welches im Lonely Planet empfohlen wurde. Der Lonely Planet. Ein Fluch und ein Segen. Ich selber habe keinen. In der Zeit in der ich alleine unterwegs bin, quatsche ich also immer irgendwelche Inder an, welches Restaurant sie empfehlen können, welches Hotel das günstigste ist und was ich mir auf jeden Fall angucken sollte. Allerdings kommt so gelegentlich auch Stress auf,
wenn ich nach einer Nachtfahrt im Zug oder im Bus, morgens früh von tausenden Autofahrern überfallen werde. Alle wollen wissen, wo ich den hin will. Es ist schwer zu erklären, dass ich eigentlich keine Ahnung habe wo ich hin will.
Da ist es auf jeden Fall praktischer einen guten Reiseführer dabei zu haben. Sich morgens früh schläfrig die Augen zu reiben und einfach auf eine Adresse im Buch zeigen zu können.
Irgendwie hab ich aber das Gefühl, dass es unmöglich ist einen schönen Platz selbst zu entdecken ohne dass schon tausend andere Reisende dort gewesen sind.
Ich glaube sogar, dass sehr viele Backpacker genau die gleichen Erfahrungen machen, weil sich alle nach dem Lonely Planet richten und ins gleiche gemütliche Hotel mit Dachterrasse fahren, den gleichen leckeren Apfelstrudel essen etc. Man muss sich also gut überlegen, ob man mit oder ohne Reiseführer reisen möchte.
Nachdem wir noch einige Zeit mit den Italienern im Park herumgelegen haben, sind wir mit dem Bus weiter nach Pushkar, einer kleinen gemütlichen Stadt an einem See in den Bergen.
Dort haben wir David wieder getroffen, der uns ein schönes Zimmer mit Swimmingpool für weniger als fünf Euro organisiert hat. Dort haben wir dann auch meinen 21 Geburtstag gefeiert. Caro und Luise haben mich mit einem sehr niedlichen Geburtstagsständchen geweckt. Ich habe handgemachte Jasminseife, einen orangen Turban und eine dreitägige Kamelsafari in Jaiselmer geschenkt bekommen. Ich habe auch kleine Geschenke und viele Glückwünsche von Freunden aus Deutschland bekommen. Vielen Dank dafür!
Den Tag über waren wir im Pool schwimmen und ich habe mit einer eiskalten Cola in der Hängematte am Pool gelegen und Musik gehört. Hahahha, wer mich gut kennt, kann sich sicher vorstellen, dass es keinen besseren Ort für eine kleine Geburtstagsfeier für mich gibt, als an einem Swimmingpool mit Hängematte. Abends haben wir in unserem Hotel noch zwei Chilenen kennen gelernt. Ich habe mich die ganze Zeit auf Spanisch unterhalten, was mir immer große Freude bereitet.
Nach Pushkar sind wir dann nach Jaiselmer in den Westen Indiens, nahe Pakistan gefahren. Eine richtige Wüstenstadt. Die Frauen tragen rote Saris mit goldenen Borten und großen Ringen in Nase und Ohr.
Wir sind über den Markt geschlendert und haben einen Japaner kennengelernt. Er war gerade dabei, einen indischen Kioskbesitzer zu porträtieren.
Ich habe ihm das Angebot unterbreitet ihn zu Mittagessen einzuladen, wenn er Caro, Luise und mich im Gegenzug zeichnen würde.
Im Laufe des Mittagessen stellte sich heraus, dass er in Japan Comiczeichner ist.
Wir verließen das Lokal mit zwei ziemlich guten Portraits von Caro und Luise und einer Zeichnung von mir als Superwoman. Mir gefällt diese Art des Tauschhandels. Genauso habe ich es auch mit einer Friseuse aus der Schweiz gemacht, die ich am Strand kennen gelernt habe. Sie schneidet mir als gelernte Friseuse die Haare, Ich bemale ihr dafür im Gegenzug die Hände mit Henna.
Jetzt aber zu unserem unglaublichen Wüstentrip.
Früh morgens sind wir dann mit einem Jeep in die Wüste aufgebrochen. Bevor wir in den Jeep stiegen, fiel mir ein alter Mann mit einem großen Turban und einem riesigen Korb mit Pfauenfedern auf. Er erinnerte mich stark an das Cover einer GEO die ich besitze. Auf diesem ist ein Pfauenfedernverkäufer aus Rajasthan abgebildet. Dieses Bild hatte ich immer im Kopf, wenn von Rajasthan die Rede war. Nachdem ich ihm eine Feder abgekauft hatte und ein Foto schießen durfte, fragte er mich nach meiner Herkunft. Als ich ihm dann sagte ich sei aus Deutschland, zog er stolz eben diese deutsche Zeitschrift aus der Tasche auf der er abgebildet war. Was für ein Zufall!
Ich muss versuchen mich etwas kürzer zu fassen, sonst nimmt dieser Blogeintrag kein Ende mehr.
In der Wüste also wurden wir mitten in der Pampa ausgesetzt, wo schon vier Kamele und zwei nette Kamelmänner auf uns warteten.

Uns wurden unsere Turbane gebunden, die uns gegen die Sonne schützen sollten und wir ritten los.
Es ist ein ziemlich lustiges Gefühl von einem Kamel durch die Steppe getragen zu werden. Es ist eine wackelige und nach einiger Zeit auch eine schmerzhafte Erfahrung. Ich setzte mich schnell um, in den Damensattel, da es gemütlicher für mich war.
Ich hatte großen Spaß daran im Traben in den Damensattel zu wechseln und wieder zurück. Nach dem ersten Tag waren wir alle total fertig.
Aber es war sehr schön über dem Feuer Chapati zu machen und nachts den wunderschönen Sternenhimmel mit Milchstraße zu betrachten.
Besonders schön fand ich aber auch die Atmosphäre in der Wüste beim Sonnenaufgang. Wir wurden mit Toast, Marmelade, gekochten Eiern und Chai geweckt.
Den kommenden Abend übernachteten wir nicht weit entfernt von einer kleinen Steinhütte wo eine Familie wohnte. Unser Kamelführer war selbst seit über neun Jahren nicht mehr dort. Es schien so, als hätten die Wüstenkinder sehr selten Besuch von Ausländern gehabt,vielleicht sogar niemals.Die Frau wollte sich mit uns fotografieren lassen. Das Mädchen

fasste meine von der Sonne erblondeten Haare an.
Wie schön es war.
Wir bewunderten den Schmuck der Frauen und liefen zu den Ziegen um sie gemeinsam zu melken.
An diesem Abend habe ich auch versucht auf einem Kamel ohne Sattel zu reiten. Dies ist definitiv nicht zu empfehlen weil es höllisch wehtut. Deshalb bin ich im Traben auch abgesprungen.
Am nächsten Tag habe ich mir von unseren Kamelmännern Wüstengeschichten erzählen lassen und geholfen Chapati zu machen.
Die beiden begleiten Kamelsafaris seit sie 13 sind. Beide sind in einem Wüstendorf aufgewachsen und sind kaum älter als ich.
Nach drei Tagen ohne fließendem Wasser, stürzten wir alle drei gleichzeitig ins Bad um zu duschen. Viel Zeit zum ausruhen blieb uns nicht. Am selben Tag, fuhren wir mit dem Nachtbus nach Udaipur. Dort haben wir viel Zeit bei unserem neuen Kumpel und Schneider Rakesh verbracht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er der Beste in Udaipur ist. Bei ihm waren schon Professor McGonnagall, Judi Dentch und Bill Nighty, die in Udaipur einen Film gedreht haben. Wir haben Tage lang mit Rakesh gequatscht uns Kleider und ein Jackett schneidern lassen. Dort habe ich den besten MasalaChai getrunken.
Meine Mädels und Ich haben es uns zur Aufgabe gemacht, neue Kunden zu werben. Wie hat Rakesh gelacht als er Tag für Tag mehr Kunden auf seiner Couch sitzen sah, als er seine Boutique betrat. Am Ende habe ich sogar eine Art Jobangebot bekommen.
Für mich war es aber an der Zeit, langsam nach Süden aufzubrechen.
Ich hatte ein Ticket nach Mumbai gebucht, um abends im Mumbai meinen Anschlusszug nach Goa nehmen zu können. Am Bahnhof habe ich dann Tim wieder getroffen, der mir zuerst in Kalkutta begegnet ist, später wieder in Agra und Varanasi. Zufälligerweise hatte er den gleichen Zug nach Mumbai und auch den Anschlusszug nach Goa im gleichen Abteil wie ich. Als wir am nächsten Morgen im Mumbai ankamen, traf ich am Bahnsteig zwei Kolumbianerinnen, mit denen ich mich schon in Undaipur unterhalten hatte. Tim und Ich sind mit den Beiden in ihre WG gefahren. Dort konnte ich duschen und mir mit den anderen eine Pizza bestellen. Es war nett in so einer internationalen WG zu sitzen, Henna zu malen, Pizza zu essen, sich mit Brasilianern, Kolumbianern und Afrikanern zu unterhalten. Gemeinsam haben wir ihr Viertel erkundet und mit den Kids Cricket gespielt. Im Zug nach Goa habe ich noch einen Engländer kennengelernt, mit dem ich dann gemeinsam mit Tim nach Palolem gefahren bin. Ich konnte nochmal ins Meer springen und duschen bevor ich in den nächsten Zug nach Kochi im Norden Keralas gestiegen bin, in dem ich mich immer noch befinde. Es ist jetzt gleich 13 Uhr und hinter mir liegt die dritte Nacht im Schlafwagen. Langsam sehne ich mich nach einem richtigen Hotelzimmer. Ich habe vor, nach Alleppey zu fahren, eine Backwatertour zu machen und noch zwei oder drei Tage am Strand zu verbringen, bevor ich zurück nach Trichy fahre.

Weiterführung des Blogeintrages (Zurück im Süden)

Genauso habe ich es dann auch gemacht. Ich bin am gleichen Tag noch weiter nach Alleppey und habe meine Backwatertour gemacht. In ganz Alleppey habe ich nicht einen einzigen Touristen gesehen. So saß ich ganz alleine in meinem kleinen Ruderboot und wurde von einem freundlichen Inder über den Fluss getragen. Es war ein sehr schöne Bootstour und ich habe es genossen, so ganz alleine über den von Palmen eingerahmten Fluss zu gleiten.

Jetzt schreibe ich euch aus Kovalam, dem Strandort in Kerala, zu dem ich auch manchmal am Wochenende fahre.
In zwei Tagen geht es zurück nach Trichy. Ich bin gespannt, wie es dann in der Schule für mich und Luise weiter geht in den letzten Wochen meines Indienaufenthaltes.
Langsam wird mir bewusst, dass ich die Möglichkeit des einfachen, billigen Reisens, dass mit soviel Spaß, Begegnungen und Erfahrungen verbunden ist, nicht mehr so schnell haben werde.
„Hey where are you from?“
Dies ist der Schlüsselsatz, mit dem immer eine neue Geschichte beginnt
Durch diese einfache Frage eröffnen sich mir so viele Welten.
Ich habe auf dieser Reise schon so viel gelernt. Ich weiß jetzt zum Beispiel, dass Chilenen anders fluchen als Spanier.Wenn in einer Speisekarte in Italien das Gericht Spagetti Bolognese auftaucht, ist es ein Lokal für Touris. Irländer müssen zwei Mal zu einem Sommercamp in dem Irisch gesprochen wird, eine Sprache die wie latein eigentlich tot ist. Ich kann auf italienisch sagen: „Das weiße Hemd und die rote Hose steht dir sehr gut!“ Ich kann einschätzen wann ein Autopreis definitiv zu hoch ist. Ich weiß wie Kamelpupse riechen und dass es besser ist die Liege im obersten Schlafwagen zu bekommen, um nicht von Indern abgefasst zu werden.
Ich weiß, wie das Meer sich verändert, wenn der Monsun bevorsteht, warum Kunst keine Kunst mehr ist, wenn Verkaufszahlen im Vordergrundstehen und was dies für das Theater in der Schweiz bedeutet.
Ich habe Adressen und Einladungen von Leuten aus Deutschland, Italien, Spanien, Schweiz, Chile, Kolumbien, Österreich, England und Israel.
Mein kleines Reisebüchlein ist voll mit kleinen Sprachkursen in den unterschiedlichsten Sprachen, Empfehlungen für die schönsten Strände auf den kleinsten verlassenen griechischen Inseln. Ich habe Tipps für tolle Workingcamps in der ganzen Welt, und fast einen ganzen Reiseführer mit Reisegeheimtipps für Brasilien, Ecuador, Chile, Kuba, Kolumbien und Peru.
Dies ist das Ende eines sehr positiven Blogeintrages und es bleibt, wie sehr oft in letzter Zeit,ein kleiner Zweifel beim Verfassen dieser Zeilen, ob es wirklich schon an der Zeit für mich ist ein Studium zu beginnen.

Tuesday, 24 April 2012

In Indien bist du niemals alleine


Vor einigen Wochen habe ich also meine fünfte Klasse verabschiedet.
Ich habe die Flaggen aller Länder auf Papier ausgemalt und sie in unserer Spielhalle auf dem Boden verteilt. Mexico, Spanien, Indien, China, Frankreich, Holland, Deutschland...
Dann habe ich Sätze vorgelesen, mit Aussagen die spezifisch für eines der Länder waren. Die Kinder sollten entscheiden, auf welches Land die jeweilige Aussage zutrifft und zu der dazugehörigen Flagge laufen. Es war ein ziemliches Durcheinander. Im Endeffekt ist aber einiges hängen geblieben. Sie wissen, dass man in Deutschland deutsch spricht, dass der Eifelturm in Paris steht und dass es in Holland viele Windmühlen gibt. Nach diesem Spiel haben wir noch Stoptanz zu indischer Musik gespielt und ein paar letzte Fotos gemacht. Die Kinder sind mir bis auf die Straße nachgelaufen und haben gewunken. Es war ein sehr schöner Abschied.
Am Tag darauf bin ich früh morgens in den Zug nach Hyderabad eingestiegen und bin damit meine  erste Reise alleine angetreten. Zuerst bin ich nach Chennai und von dort aus habe ich den Nachtzug nach Hyderabad genommen.


Nach 13 Stunden Fahrt sind wir morgens in Hyderabad angekommen. Ich habe mir erst Mal nach eine billige Unterkunft gesucht. Danach wollte ich in die Innenstadt fahren aber die Autorikshafahrer haben viel zu hohe Preise verlangt. Ein Ehepaar hat mich aus einem Auto beobachtet, hatte Mitleid mit mir und fuhr mich dann im klimatisierten Auto quer durch die Stadt ins Stadtzentrum. So bin ich dann einige Stunden über den Markt geschlendert. Hyderabad  ist bekannt für Perlen und Bangels sowie Stoffborten, die man zum verzieren von indischer Kleidung verwendet. Die Atmosphäre und das Treiben auf den Straßen ist ganz anders als bei uns in Tamil Nadu. Es gibt viel mehr Muslims und verschleierte Frauen auf den Straßen. Die Markthändler preisen ihre Ware lauter und aufdringlicher an als ich es gewohnt bin, fast so wie in Marokko.


Ich war die einzige Touristin und nach einiger Zeit etwas genervt von den Zungenschnalzen der Markthändler und dem „Please Madame, come to my shop“. So bin ich wieder zurück in mein Hostel. Nachts klopfte dann die Polizei an die Tür, durchwühlte meine Kleidung und wollte wissen, ob ich in Hyderabad Leute kenne und einfach nachsehen, ob es sich bei dem billigen Hotel  nicht um ein unangemeldetes Bordell handelt. Ich habe von gelgentlichen Polizeikontrollen in Hostels gehört aber fühlte mich nach dem Verhör doch etwas unwohl und alleine, in  diesem dreckigen Hotelzimmer in der für mich fremden Stadt.
Am darauffolgenden Tag musste ich um 10 Uhr auschecken, hatte allerdings noch den ganzen Tag vor mir, bis mein Zug abends nach Mumbai aufbrechen sollte.Ich fuhr zu einer Mall, beobachtete Indiens Oberschicht und fragte nach einiger Zeit des Langweilens eine Gruppe Jugendlicher nach einem Park oder einem Ort zum Zeitverbringen, bis mein Zug fuhr.
Kurzerhand  stiegen sie mit mir in eine Riksha und fuhren mit mir an einen großen See, wo wir was tranken , Spazieren gingen und uns sehr sehr lange unterhielten.
Diese drei Jugendlichen waren ganz anders als die, die mir in Trichy über den Weg laufen. Selbstbewusst und engagiert und irgendwie sehr viel Selbstständiger als bei uns.
Anschließend fuhren wir zu Shraddha nach Hause, wo ich den für Hyderabad typischen biriyaniiiii probieren sollte und Zeit hatte zu duschen. Danach haben wir gemneinsam Chapati für meine  Weiterreise zubereitet und ich wurde mit Proviant bis zu meinem Zug begleitet.
Shraddha rief am Abend noch einen Freund aus Mumbai an, der mich am kommenden Tag am Bahnhof abholen und mir bei der Suche nach einem günstigen Hotel helfen sollte.
Ich wurde also von einem netten Inder am Bahnhof abgeholt und fuhr mit ihm auf seinem Motorrad   Stunden durch diese riesige, moderne Stadt auf der Suche nach einem günstigen Hotelzimmer. Im Endeffekt zahlte ich dann 1600 Rupies (25  Euro ) und damit so viel, wie im Süden für 5 Nächte, die ich mir aber mit Luise teile. Mumbai ist die teuerste Stadt in ganz Indien.



Ich bin zum Gateway of India gefahren und habe dort zwei Norwegerinnen angesprochen,mit denen ich dann den Tag verbracht habe. Wir sind zum Marine Drive, dem berühmten Strand in Mumbai und sind durch die Straßen geschlendert. Zwischendurch habe ich die unterschiedlichsten Menschen auf den Straßen angesprochen, um mir erklären zu lassen, wie ich nachts mit dem Zug zum Flughafen kommen würde um meine beiden Freunde abzuholen. Eine Frau um die 60 mit sehr schlechtem englisch bestand darauf, mich am nächsten Tag anzurufen um sicher zu sein, dass es mir gut ginge. Dass hat sie dann auch am kommenden Tag gemacht. Ich bin mit meinen Freunden dann noch auf den beeindruckenden Stoffmarkt gegangen, bevor wir am Abend den Nachtbus nach Palolem in Südgoa nehmen sollten. Nach einer ziemlich unbequemen Busfahrt im Schlafwagen, in dem man sich das Bett mit einer anderen Person teilen muss, sind wir dann in Palolem an einem Traumstrand angekommen. 

Der Süden in Goa ist weit weniger touristisch als der Norden. Außerdem waren wir am Ende der Saison da, sodass wir in einer günstigen, aus Palmenblättern gewebten Hütte untergekommen sind. Am Strand gibt es einige Restaurants, in denen wir tagsüber frische Mangolassis und nachts frischen Fisch genießen konnten. Ich glaube es war der schönste Strand an dem ich je war. Wir haben zusammen ein paar Spaziergänge über die Felsen gemacht, haben uns Mofas ausgeliehen und sind zwei Stunden nach Margao gefahren, über den Markt geschlendert und zurück, waren Baden , haben Musik gehört und sehr viel erzählt und gelacht.

Nachdem meine Freunde wieder abgereist sind, habe ich mir noch eine Strandhütte mit Nina einer  Künstlerin aus London geteilt, mit der ich sehr lange nette Gespräche geführt habe und am letzten Tag noch mit dem New Yorker Noah ein Kanu gemietet habe, und auf dem Meer rumgepaddelt bin.

Dann habe ich mich wieder auf den Weg nach Trichy gemacht. Um dort hinzukommen, musste ich mit dem Nachtbus nach Bangalore. Dieses Mal habe ich mir mein Abteil mit einer jungen Inderin aus Bangalore geteilt, die zu meinem Glück sehr schlank war und nicht viel Platz auf unserem Bett in Anspruch genommen hat. Nachts gab es mitten auf der Autobahn einen Motorschaden und ich sah Qualm an unserem  Fenster vorbei aufsteigen. Letztendlich blieb der Bus drei Mal für längere Zeit stehen. Ursprünglich sollten wir um 06:30 Bangalore erreichen.  Wir kamen allerdings erst um 13:30 an und damit verpasste ich meinen Anschlussbus nach Trichy und musste bis 23:30 warten. Ich habe mich dann auf den Weg in die Innenstadt gemacht und bei Mc Donalds die Pommesfrau gefragt, ob es eine freie Steckdose gäbe, an der ich mein Laptop aufladen könne. Wie sich heraus stellte war sie taub. Ich redete kurz mit ihr mit den paar Brocken signlanguage, an die ich mich noch  aus meiner Zeit im Dorf mit den tauben Jungen erinnerte.Damit machte ich die Amerikanerin Carla auf mich aufmerksam, die mit ihrem Mann in Bangalore wohnt und in einer Slumschule unterrichtet.Sie lud mich zu ihr nach Hause ein, was mir sehr gelegen kam, da ich mal wieder in den Genuss einer Dusche nach dieser langen Reise kam. Wir fuhren in einem klimatisierten Auto in ihre Villa.  Ich war mal wieder geschockt. Der absolute Wohlstand. Ein komplett amerikanisch eingerichtetes Haus mit riesen Küche und einem luxuriösen Badezimmer und einem monströsen     Fernseher. Wir unterhielten uns einige Zeit über die Arbeit in ihrer Schule und ich war etwas verwundert, dass eine Frau die in einer Slumschule arbeitet, in so einem luxusriösen Haus wohnt. Diese Frau muss jeden Tag aufs neue einen Kulturshock haben, wenn sie von der Schule nach Hause zurück kommt und andersherum. Nachdem ich mit deutscher Lindtschokolade , die sie im Dutyfreeshop in Frankfurt gekauft hatte, Coca Cola , Gummibärchen  versorgt wurde, bezahlte sie mir noch das Taxi, dass mich 1 ½ Stunden zum Busstop ans andere Ende der Stadt fuhr. Am nächsten Morgen erreichte ich dann am frühen morgen Trichy und war damit 33 Stunden unterwegs. Es war ein tolle Reise. In der Zeit in der ich alleine Unterwegs war habe ich mich manchmal aber doch einsam und alleine gefühlt  . Vorallem war es komisch, als ich in westlicheren Gegenden waren. Als ich in Hyderabad in der Mall war oder  in indischen Klamotten im westlicheren Viertel Mubais an Frauen vorbei lief, die Shorts oder Sommerkleider trugen. Man sollte denken, dass ich mich gerade dann irgendwie heimisch fühle, da es mich  an das westlichere Leben in Braunschweig erinnert. Das Gegenteil ist der Fall. Alles ist irgendwie so anonym und außerdem komme ich  mir in meiner indischen Kleidung in diesen Momenten ziemlich lächerlich vor und bin plötzlich wieder an einem Ort, wo es eine Rolle spielt wie man aussieht und nicht mehr einfach verschwitzt mit lockerem Pferdeschwanz und Schlabberklamotten, ungeschminkt durch die Gegend laufen kann, ohne komisch angesehen zu werden. Da ist man dann an dem Punkt, wo Inder sich anziehen wie Europäer und ich als Europäerin aussehe wie eine traditionelle Inderin.
Viele Inder finden es aber interessant, Europäer in indischen Klamotten zu sehen und sind sehr hilfsbereit und freundlich. Einmal sagte ich zu einer Frau in Mumbai, die mir  am Bahnhof beim Ticketkaufen geholfen hat, dass ich mich etwas alleine und verloren fühlte in dieser großen Stadt. Darauf antwortete sie, dass man in Indien niemals alleine ist. Und damit hat sie definitiv Recht. Es sind immer Menschen um mich herum. Außerdem scheint es so, als würden die Inder meine Familie ersetzen wollen, wenn ich alleine bin und sehen es als ihre Pflicht an mir zu helfen oder mich sicher vom einen Ort zum anderen zu bringen. In zwei Wochen schließt unsere Schule für die Sommerpause und ich werde nach Calcutta fliegen, um mir den Norden anzusehen. Es wird sich herausstellen, wie es für mich dort ist alleine unterwegs zu sein und ich werde sicherlich nach einiger Zeit auf Caro und Luise treffen, die zuerst nach Dehli fliegen. Jetzt ist  es schön wieder in Trichy zu sein. Die Schule ist zu Ende und es gibt für die nächsten zwei Wochen ein Sommercamp. Die meißten Schüler die daran teilnehmen, sind im Unterrichtsstoff etwas hinterher oder müssen beaufsichtigt werden, weil die Eltern arbeiten müssen. Luise und ich bekommen jeden Morgen ein paar Arbeitszettel in die Hand gedrückt, die wir dann mit den Kindern durchgehen. Hauptsächlich sind es Mathe und Englischübungen. Wir machen aber auch viele Konversationsübungen, um die Kinder zum flüssigen Englischsprechen zu ermuntern oder lassen sie Bilder malen.
Die Konzentrationsspanne ist allerdings sehr begrenzt. Es wird immer heißer in Trichy und wir  haben täglich acht Stunden ohne Strom und damit auch ohne Ventilator. Selbst wenn wir den Ventilator anhaben schwitzen wir und die Temperaturen werden sogar noch ansteigen.
Nach wie vor ist es ein Problem, dass wir keine sozialen Kontakte in Trichy haben und die Stadt kulturell nicht so viel zu bieten hat. Wir verbringen also sehr viel Zeit in unserem Zimmer, unterhalten uns oder kochen Pudding, machen uns einen frischen Mangolassi, waschen, lesen, hören Musik etc. Da wir aber uns schon seit 8 Monaten unsere Freizeit auf diese Art und Weise vertreiben, vermissen wir in diesen Tagen nach unserem Besuch Deutschland ein wenig und fangen an uns wieder auf unserere Rückkehr zu freuen.
Trotzdem haben wir es irgendwie immer nett zusammen und suchen uns täglich Dinge auf oder über die wir uns freuen können. Da steht noch der letzte Trip in den Norden an und danach das neue Schuljahr mit neuen Schülern.
Jetzt dauert es nicht mehr lange, bis ich wieder zurück bin. Wenn es Dinge gibt über die ihr gern bescheid wissen würdet oder euch Fragen offen bleiben in meinen Berichten, schreibt mir doch und ich werde versuchen sie in den kommenden Blogeinträgen zu berücksichtigen. Bis dahin genießt den Frühling, der vorallem in Braunschweig eingentlich echt immer schön ist, wenn alles wieder blüht und Leben in die Straßen kommt.