Monday, 19 December 2011

Die Kinder des Monsieur Mathieu




















In den letzten Wochen haben Luise und Ich uns intensiver mit der Vorbereitung unserer Weihnachtsfeier beschäftigt, die gestern abend stattgefunden hat. Eigentlich haben wir schon vor langer Zeit begonnen Weihnachtslieder mit ein paar Kindern einzuüben. Diese Musikstunden, hat Luise  immer ziemlich gut mit der Geige begleitet. Wie sich schon zu Beginn dieser Stunden herausstellte, haben die meisten Kinder kein Gespür für die eigene Stimme, da sie es gewohnt sind während der kleinen immer gleich ablaufenden Andacht, im Chor  wild durcheinander zu singen.
In der Schule gibt es keinen Musikunterricht. So mussten wir ganz von vorne anfangen. Wir begannen mit Atemübungen und erklärten den Kindern den Unterschied zwischen singen und schreien. Anfangs war es schon ein Erfolg als wir ihren Stimmen nur ein paar richtige Töne entlocken konnten. Mit der Zeit wurde der Gesang ein wenig besser. Die nächste große Herausforderung war, dass die meissten Kinder kaum englisch konnten. Wir haben ihnen die Bedeutung der Lieder erklärt, Aussprachübungen gemacht und geübt an welcher Stelle sie welches Wort wie betonen, wann Pausen machen müssten. Den Blinden mussten wir die einzelnen Wörter sogar buchstabieren, da sie ja nicht mit Hilfe eines Liederzettels lernen konnten.
Mich haben diese Übungen immer an den Film die Kinder des Monsieur Mathieu erinnert. Nur das Endergebnis entsprach dann leider doch nicht ganz dem des Filmes.
Leider hatten wir nur wenig Zeit zum üben und waren einige Male in den letzten Wochen ziemlich frustriert, da sich weder die Kinder noch unser Boss an absprachen hielten. Nie waren alle Kinder bei den Proben dabei. Ähnlich war es als wir versuchten, ein kleines Krippenspiel auf die Beine zu stellen. Einige Kinder waren spontan in die Stadt gefahren, der Stern hatte kurz vor der Aufführung Fieber bekommen und keiner hatte uns informiert.
Das Krippenspiel war auf englisch. Luise hat es selbst geschrieben und vorgelesen. Die Kinder haben den Text einfach gelegentlich in Gebärdensprache übersetzt. So konnten wir auch taube Kinder in unser Krippenspiel integrieren.
Am Anfang war es auch nicht so einfach den Kindern zu erklären, wie man eine Tür aufmacht, die nicht vorhanden ist. Das Scharf hat nie verstanden, dass es aufpassen muss nicht auf Jesus zu treten. Da wir komplett auf Bühnenbild und Requisite verzichtet haben, gab es auch keine Babypuppe und die Kinder mussten sich vorstellen, dass er trotzdem da war.
Auf den Bildern sieht man einige Übungen, die ich mit den Kindern gemacht habe um sich besser auf ihre Rollen vorzubereiten. Alles in Allem war es ein tolles, anderes Krippenspiel. Auch wenn sich unser Boss nicht ein Mal ernsthaft dafür bedankt hat, dass wir 10 Stunden lang damit verbracht haben, Dekoration für den Saal zu basteln, oder das Krippenspiel und die Lieder zu übernehmen, weiss ich, dass er doch beeindruckt war, dass wir es überhaupt geschafft haben, etwas auf die Beine zu stellen.
In einer Stunde schon brechen wir auf nach Kerala, wo wir die Weihnachtstage verbringen werden. Wenn wir nach Silvester wieder kommen, arbeiten wir in Trichy in einer englischen Schule. Ich habe aber auch die Möglichkeit in die Nachbarsschule zu gehen un ein bis zwei Tage die Woche mit   tauben Kindern zu arbeiten. Das freut mich sehr.
Ich wünsche euch allen gesegnete Weihnachtstage und einen guten Rutsch

Sunday, 4 December 2011

In Deutschland endet die Liebe mit der Hochzeit,in Indien beginnt sie erst


Mein letzter Blogeintrag ist schon eine Weile her. Das mag daran liegen, dass in der Zwischenzeit für mich nicht wirklich etwas besonderes passiert ist oder dass viele Sachen die ich alltäglich sehe für mich normal geworden sind. Vorallem weiß ich nicht wo ich anfangen  soll um euch dieses verrückte Land näher zu bringen. Ich habe mich an das scharfe Essen gewöhnt. Auch aber an das chaotische Treiben auf den Straßen,die überfüllten Busse,die vermüllten Straßen und die vielen Bettler. Das ist ein Punkt über den ich noch garnicht berichtet habe.Armut. In Indien leben meinen Recherchen nach 40% der Menschen unter der Armutsgrenze und haben damit weniger als einen Euro am Tag zur Verfügung. Ich sehe viele verstümmelte Menschen auf der Straße.Einige haben auch offene Wunden oder sehr schlechte Zähne weil ihnen das Geld für eine vernünftige Gesundheitsversorgung fehlt.
Ich habe vor einiger Zeit mit meiner Chefin über das Armutsproblem gesprochen. Sie sagte, dass vor allem in den Dörfern, also auch in meiner unmittelbaren Umgebung, die Männer zum Arbeiten auf die Felder gehen. Sie verdienen dort ca. 100 Rupies (1,50€).Viele von ihnen sind deprimiert und kaufen sich nach der Arbeit für die Hälfte ihres Einkommens Alkohol, für die Familie bleibt nur noch die Hälfte zum Leben. Meine Chefin meinte auch, dass viele Frauen unter dieser Situation leiden. Sie sehen es aber als normal an, da Alkoholismus in Indien keine Ausnahme mehr ist und viele Männer trinken. Den Frauen bleibt oft nichts anderes übrig als mit ihren Männern zusammenzubleiben 
Es ist hier nicht so einfach sich zu trennen, da alleinstehende Menschen ab einem bestimmten Alter in der Gesellschaft nicht mehr akzeptiert werden.
Vor kurzem hatten wir ein Zwischenseminar in Tranquebar, wo wir 16 andere Freiwillige trafen, die in Tamil Nadu und Kanataka arbeiten. Unsere Mentorin hatte ein Treffen mit Collegestudenten arrangiert. Wir trafen dort den Schulleiter, einige Professoren und Studenten in unserer Altersklasse. Wir diskutierten über die unterschiedlichsten Themen wie arrangierte Ehen, Rollenverteilungen und den Sinn des Lebens. Ein Junger Mann sagte, dass für ihn der Sinn des Lebens darin bestehe eine Familie zu haben. Und wenn man keine Familie hätte, wäre das Leben sinnlos. Unsere Mentorin erwiderte, dass sie alleinstehend sei und sich keineswegs „useless“ vorkäme. Dieses konservative, traditionelle Bild ist sehr stark auch in den Köpfen der jüngeren Generation verankert. Eine Familie zu haben und Kinder ( vorallem Söhne) zu bekommen hat immer noch einen hohen Stellenwert. Problematisch wird es wenn es aufgrund finanzieller Schwierigkeiten nicht möglich ist, die Töchter zu verheiraten oder Paare keine Kinder bekommen können. In diesem Fall wird meistens die Frau dafür verantwortlich gemacht.
Über 90 % der Ehen sind arrangiert. Die Eltern suchen die Partner für ihre Kinder aus. Es gibt aber auch richtige Heiratsvermittler.Nach der Hochzeit wird die Braut an die Familie des Bräutigams weitergegeben. 
Da die Familie der Braut eine sehr hohe Mitgift zahlen muss könnte man fast sagen, dass die Familie der Braut für ihre Tochter eine neue Familie kauft. Eine Inderin sagte zu mir, dass die Braut mit der Hochzeit  ihre Familie verliert. Im Haus ihrer alten Familie ist sie nur noch Gast.
Ich finde den Gedanken immer noch erschreckend, dass Frauen mit der Hochzeit unter der Gewalt eines Mannes stehen, mit denen viele von ihnen vor der Hochzeit kaum gesprochen haben. Einige Inder sagen immer, dass wir Deutschen auch nicht von der großen Liebe sprechen können, da jede zweite oder dritte Ehe geschieden wird.Da mögen sie wohl Recht haben, wir haben allerdings immer das Recht frei zu entscheiden und müssen nicht ein Leben lang mit einem Menschen verbringen der uns schlecht behandelt oder den wir nicht lieben.
Trotz all der Schwierigkeiten die ich hier für Frauen sehen möchte ich nicht,dass die Männer in diesem Blogeintrag zu kurz kommen. Auch sie werden häufig mit Frauen verheiratet mit denen sie auf Dauer nicht glücklich sind und auch sie haben wenig Möglichkeiten dieser Ehe zu entfliehen. Ich denke, dass  generell  der Mann im Haus das Sagen hat  und  seine Frau schlecht behandeln kann ohne dass sie ihr Wort gegen ihn erhebt. Einmal waren Luise, Jonathan und Ich bei unserem Nachbar eingeladen. Seine Frau hat uns mit Getränken versorgt und hat sich danach hinter ihren Mann in eine Ecke des Raumes an den Tisch gesetzt und ihrem Mann zugesehen, wie er sich mit uns unterhalten hat. Frauen werden so erzogen, dass sie ihren Männern und ihren Vätern gehorchen.
Dieser Gehorsam ist mir auch schon im Schulsystem aufgefallen. Die Kinder lernen nicht sich ihre eigenen Gedanken zu machen. Sie lernen Gedichte und Englischvokabeln auswendig, können aber kaum einen korrekten englischen Satz mit uns wechseln. Wenn man in einer Bastelgruppe mit den Kinder malen möchte, malen alle voneinander ab oder fragen uns als Respektsperson welche Farben sie benutzen sollen. In der Schule gibt es viel Frontalunterricht und die Kinder sind es gewohnt im Chor zu antworten. In Gruppen fühlen sich viele von ihnen wohler, wahrscheinlich weil Indien eine große, große Gruppe ist und das Individuum nicht so eine hohe Bedeutung hat wie das Kollektiv.
Dieses Verhalten ist mir auch in der Diskussionsrunde mit den Collegestudenten aufgefallen. Die deutsche Gruppe hat sehr viel zu der Diskussion beigetragen. Einige Professoren haben sich auch angeregt mit uns unterhalten. Die Studenten, um die es ja eigentlich ging, waren sehr schüchtern und haben sich kaum getraut an dem Gespräch teilzunehmen. Dies lag wahrscheinlich an der Anwesenheit ihrer Professoren.
Ach ja, diese ganzen kulturellen Unterschiede die ich mir so gewünscht habe, können manchmal ganz schön belastend sein. Unlücklich verheiratete Menschen und Hungernde,Kranke am Straßenrand. Schon seltsam, dass man sich an Elend so gewöhnen kann.
Jetzt fahre ich nach einem schönen Wochenende in Trichy wieder zurück aufs Dorf. Dort sind die Weihnchtsvorbereitungen im vollen Gange, von denen ich in den kommenden Wochen noch ein Mal berichten werde.

Lasst es euch gut gehen und euch nicht zu doll stressen von den ganzen Weihnachtsvorbereitungen

Sunday, 23 October 2011

freedom is just another word for nothing left to lose




Es ist an der Zeit von meinem ersten Urlaub zu berichtren, der nun schon zwei Wochen zurück liegt.Ich wollte mit Luise nach Auroville, einer Hippiekomune an die Ostküste fahren und dort einige andere Freiwillige treffen, die mit unserer Partnerorganisation ausgereist sind. Bei der Planung, was wir alles mitnehmen müssten änderten sich plötzlich die Dimensionen unserer Gepäckstücke, da wir nicht so viel mit uns herumschleppen wollten. So wurde das Gepäck, das zuerst in einen Backpackerrucksack passte auf Tagesrucksackgröße minimiert. Wir stellten fest, dass wir eigentlich noch weniger brauchten, bis wir uns entschieden einfach garkeine Klamotten mitzunehmen und jeden Abend zu waschen. Letztendlich haben wir eine kleine Handtasche für uns beide mitgenommen. Auf ein Handtuch haben wir dann auch verzichtet weil es nicht mehr in die Tasche gepasst hat. Das war egal. Wir hatten ja beide einen Baumwollschal dabei, den wir zu unserer Chudidar am Körper trugen und den wir als Handtuch benutzen konnten. So machten wir uns auf den Weg.Wir fuhren beide nach Tanjavur um den Geburtstag einer anderen Freiwilligen zu feiern. Von dort auf machten wir uns auf den Weg nach Pondicherry der nächst größeren Stadt in der Nähe von Auroville. Es gab allerdings keine Direktverbindung. So kam es dazu, dass wir nachts um halb drei ziemlich müde an einem kleinen Bahnhof ankamen, an dem wir bis um halb sieben warten mussten, um den Anschlusszug zu nehmen. Wir wickelten uns in unsere Schals ein und legten uns einfach auf den Boden sowie die Inder es auch immer  tun. Als wir in Auroville angekommen sind haben wir uns erst mal eine Bananenblätterhütte gemietet und uns zwei Mofas geliehen. Der ein oder andere von euch erinnert sich sicher daran, dass ich zwei Tage vor meinem Abflug nach Indien, meine Führerscheinprüfung vermasselt habe. Das hat sich in Auroville auch gleich bemerkbar gemacht als ich mit Luise, die hinter mir saß, von einem Feldweg gefahren bin, irgendwie die Kontrolle verloren habe und wir mit dem Mofa abgeschmiert sind. Zum Glück sind wir beide mit einer Wunde am Knie davon gekommen.
In Auroville leben Menschen aus der ganzen Welt zusammen, bieten Yogakurse an, arbeiten, lernen  unterschiedliche Sprachen voneinander und fahren mit ihren Mofas vom einen Meditationszentrum zum andern. Man sieht dort viele übriggebliebene Hippies aus der 68 Bewegung mit Leinenklamotten, Batikhemden, langen Haaren und Rauschebart.Gegründet wurde Auroville in den 70ern von einer halb gütig halb gruselig dreinschauenden alten Frau die mittlerweile verstorben ist aber deren Gesicht in jedem Gebäude in Form von Fotos oder Gemälden an der Wand hängt.
In Auroville hört man englisch, deutsch, italienisch und vor allem französisch und kaum tamil. Einige Menschen leben dort seit 20 Jahren und sprechen kein Wort tamil, da in Auroville jeder Englisch spricht und sie ihre  europäische Komune eigentlich nie verlassen. So fühlten wir uns, die wir nun seit über zwei Monaten in Indien sind, deutlich indischer als so manche Aurovillianer. Auf die Frage was Ulrich, ein Hamburger der seit vielen Jahren in Auroville lebt, denn dorthin verschlagen hätte, schaute er für einige Sekunden in den Himmel und antwortete: “Ich würd mal sagen....höhere Bestimmung!“
Das mit dem Waschen hat in der Regel eigentlich ganz gut funktioniert. Nur einmal hatten Luise und ich  unsere Chudidars draußen zum Trockenen aufgehangen und sind unter die Dusche gegangen. Hier fängt gerade die Regenzeit an. Ab und zu wird man von heftigen Regenschauern überrascht. Dieser setzte ausgerechnet ein als wir unter der Dusche standen. Wir wickelten uns beide in unsern Schal und rannten nach draußen um unsere einzigen Klamotten von der Leine zu holen.

Nach einigen Tagen, die wir am Strand, Im Jogazentrum oder auf dem Mofa verbracht haben, verließen wir unsere Hütte,schnappten uns unsere Handtasche und fuhren nach Pondicherry um dort die anderen Freiwilligen zu treffen.Wir mieteten uns 2 Zimmer mit Dachterasse, die sich sehr gut eignete um unsere Klamotten auf einer Wäscheleine aufzuhängen. Jonathan, ein Freiwilliger hatte sich unserer Bewegung angeschlossen und ebenfalls nur Wechselunterwäsche dabei und leistete uns also abends beim Waschen Gesellschaft. In Pondicherry haben wir viel Zeit am Strand, in französischen Cafés in Mofas und Rikscha verbracht, die uns von einem Ort zum anderen bringen sollten. Auf einer Fahrt von Auroville nach Pondicherry, die 20 Minuten dauerte und eher unbequem war, da wir uns zu fünft in eine Rikscha quetschen mussten, verlor ich meinen einen Flip Flop, da meine Füße aus der Rikscha raus baumelten und lief den Rest des Tages barfuß durch Pondicherry.
Luise, Jonathan und ich brachen ohne die anderen in die Berge auf.  Auf den Weg dahin übernachteten wir in einer kleinen Stadt um von dort aus mit dem Bus hoch in die Berge zu fahren.wir gingen in ein Restaurant um zu Frühstücken und wurden gleich von einem ziemlich aufgeregten Inder empfangen, der uns mitteilte, dass eigentlich wegen eines Feiertages geschlossen sei wir aber trotzdem unser Frühstück bekommen würden. Er war ziemlich erstaunt,als wir auf die Frage ob wir aus West oder Ostdeutschland kommen würden, antworteten, dass es nur noch ein Deutschland gäbe und die Mauer schon vor einigen Jahren gefallen sei. Er meinte dann auch dass das ganz gut sei, da wir eh alle gleich sind. Letzendenendes wurden wir vom Restaurantbesitzer dann zum essen eingeladen, taten ihm aber den gefallen ein paar Fotos von uns schießen zu dürfen. Als wir dann in den Berge ankamen,war es ein ziemlich witziger Anblick, wie ganze Familien mit Strickmützen, Jacken und Schal bekleidet die Straßen entlang liefen. In den Bergen ist es ziemlich kalt, ich musste das Kozept ohne Klamotten reisen aufgeben und mir eine Fließjacke kaufen. Wir blieben auch nur eine Nacht und fuhren mit Max einem Studenten aus Mainz, der mir und Luise hin und wieder mit ein paar frischen Tshirts eine Freude gemacht hat weiter in einen nahegelegenen Nationalpark. Wir konnten Elefanten, Pfauen, Affen und einige andere Tiere beobachten. Spontan sind wir dann mit Max weiter Richtung Gokarna gefahren, einem Ort, von dem  man gut zu palmenübersähten, ziemlich ruhigen Stränden laufen kann, an denen wir die letzten Tage unseres Urlaubes verbringen sollten. Auf dem Weg dahin machten wir einen Zwischenstop in Mysore, einer wunderschönen Stadt mit dem schönsten Markt, den ich bis jetzt in Indien gesehen habe. Frauen und Männer verkaufen ihre Ware aufgetürmt zu riesigen Haufen.


                                                Berge von Blumen verströmen einen angenehmen Duft, der sich mit den Parfümölen, für die Mysore bekannt ist ,vermischen. Rose, Sandelholz, Jasmin und Lotus vermischen sich mit dem Geruch von frisch aufgeschnittener Ananas,Haufen von Gewürzen oder Räucherstäbchen. Eine Frau zeigte uns sogar, wie man Räucherstäbchen herstellte. Mein erster Versuch sah allerdings noch nicht ganz wie ein Räucherstäbchen aus. Auf diesem Markt habe ich als Bananenhasserin mal eine Indische gekostet und war garnicht soo abgeneigt. Nach dem wir uns den berühmten Palast von Mysore angesehen haben, sind wir in den Zug gestiegen und nach Gokarna weiter gefahren. Von dort aus sind wir eine gute Stunde über die Klippen gewandert, bis wir an unserem Strand angekommen sind. Wir mieteten uns zwei kleine Zimmer, direkt am Strand und genossen es, in dem kleinen Restaurant am Strand Meeresfrüchtenudeln, Pizza und wirklich gute Cocosnusslassis zu trinken und uns mit den paar Europäern zu unterhalten, die ebenso wie wir ein paar ruhige Tage am Paradisebeach verbringen wollten.
So trafen wir zum Beispiel die Grundschulstudentin Judith, die auf Ayurveda schwört und mehr so der luftige Typ ist, den Abiturienten Paul, mit dem wir uns später in Mangalore noch ein Zimmer nahmen um Geld zu sparen. Paul  klappert  seit zwei Wochen die Touristengebiete in Indien ab, setzt sich gerade mit dem Thema Tod und Vergänglichkeit außeinander und  hat uns erst mal aufgeklärt, dass hier in Indien die Liebe ja noch garnicht angekommen ist, die Leute furchtbar arm seien und sich hier ja dringend mal was ändern müsste.Von Mangalore aus fuhren wir am nächsten Tag dann 14 Stunden zurück nach Trichy und weiter nach Vadugarped zurück in unser Projekt. Dort proben wir fleißig Weihnachtslieder,unterrichten Englisch, lernen etwas Tamil und wie man Blumenketten knüpft. So sende ich ganz liebe Grüße nach Tanzania, Kambodscha, Costa Rica, Namibia, England,China,Kamerun, Ghana,Thailand, Kreta, in die Niederlande, nach Bremen, Mainz, Stuttgart, Goslar und ins gute alte Braunschweig.

Sunday, 11 September 2011

Reise nach Jerusalem

Erinnert mich total an die Inderinnen hier. Schoene dunkle Haare, goldene Ohrringe und der rote Pukt auf der Stirn, mit den Wasserkruegen auf dem Kopf

Es gibt schon wieder soviel zu berichten. Seit meinem letzten Beitrag war ich im Kino in einem romatischen indischen Kinofilm, habe meinen ersten Sari abgeholt und war auf einer Hinduhochzeit. Nun aber der Reihe nach.Aufgrund einiger Schwierigkeiten bezüglich einer Registrierung im Polizeibüro in Trichy, die ganze fünf Anläufe brauchte , blieben Luise und ich einige Tage in der Stadt bevor wir wieder nach Vadugarpet zu unserem Einsatzort fuhren. So kam es, dass wir von einer bekannten unseres Chefs ganz spontan zu ihrer Hochzeit in der darauffolgenden Woche eingeladen wurden. Wir waren total begeistert, da es eine Hinduhochzeit war und diese bekanntlich besonders eindrucksvoll sind. Tatsächlich waren wir ziemlich begeistert als wir letzten Freitag den Hochzeitssaal betraten. Nachdem wir mit den üblichen südindischen Speisen verköstigt wurden, klappten wir als Zeichen für das Ende unseres Frühstücks das Bananenblatt zusammen, welches hier als Teller dient, sowie es hier ueblich ist. Anschließend wurden wir von der Schwester der Braut zu ein paar Plätzen in den vorderen Reihen gebracht. Von dort aus konnten wir die Zeremonie ziemlich gut beobachten. In der Zeremonie fanden Räucherstäbchen, Feuer, Kokosnüsse, unterschiedliche Flüssigkeiten und Pflanzen und selbstverständlich Blumenketten ihren Einsatz. Die ganze Zeremonie hier zu beschreiben würde den Rahmen sprengen. Auf jeden Fall lässt sich sagen, dass es sehr schön an zu sehen war.
Wir sind dann das Wochenende über in der Stadt geblieben. Nachdem wir unsere Saris vom Schneider abgeholt haben, sind wir ins Kino gegangen und haben uns einen ganz typischen, indischen Liebesfilm angesehen. Vorallem die Männer, die im Kino in der Überzahl waren; klatschten und lachten begeistert auf, wenn etwas besonders lustiges passierte.
Nach diesem erholenden Wochenende sind wir wieder zurück aufs Dorf gefahren.
Momentan wissen wir noch nicht so richtig was wir tun können, wenn die Kinder vormittags in der Schule sind. Nachmittags spielen wir mit den Kindern, soweit es möglich ist. Ein paar Schwierigekeiten haben sich ergeben, als wir vorhatten Reise nach Jerusalem mit den Kindern zu spielen. Das erste Problem bei der Planung war, dass die tauben Kinder die Musik nicht hören können. Die blinden Kinder könnrn die Stühle nicht sehen. Außerdem gibt es gar keinen CD Player geschweige denn Stühle.
Es ist also schwierig ein Spiel zu finden, bei denen alle Kinder mitspielen können, die Interesse haben.Gestern haben wir Papierboote mit ihnen gebastelt und sie auf den kleinen See hinterm Haus schwimmen lassen. Meißtens mischen wir uns einfach unter die Kinder und spielen ihre Spiele mit, lernen Tamil und Signlanguage mit den tauben Kindern zusammen.
 
Ich versuche jeden Tag einmal auf eine Palme zu klettern, scheitere aber kläglich. Die Kinder machen mir es immer vor und klettern geschickt die Palme hoch um mir eine Koksnuss zu pflücken, aus der Luise und ich dann das süße Kokosnusswasser trinken. Beim ersten Kletterversuch sagte ein kleiner Junge, der sieben oder höchstens acht Jahre alt sein mag:“No, no, ladies no!“ Dies zeigt schon recht deutlich das Rollenbild der Frau hier in in Indien, von dem ich ein anderes Mal noch genauer berichten werde

Nach dem Spielen setzen sich alle Kinder auf den Boden, beten und singen christliche Lieder. Anschließend holt sich jeder seinen Teller, geht zur Köchin und lässt sich einen Haufen Reis mit Soße geben. Zum Essen sitzen alle auf den Boden. Es ist ratsam sich nicht direkt neben die Tür zu setzen. Vielleicht kann man so verhindern, dass ein blinder barfüßiger Junge beim Betreten des Raumes auf den Teller tritt, von dem man gerade isst.
Nach dem Essen unterrichten Luise und ich jeweils fünf Kinder in Englisch.
Nächste Woche fahren wir wahrscheinlich mit unserem Chef und ein paar Integrationshelfern in naheliegende Dörfer, besuchen Kinder mit Behinderungen und ihre Familien und gehen in Schulen.
Ich schicke euch Jasminblüten für die Haare, frisches Kokosnusswasser zum trinken und ganz ganz liebe Grüße

Friday, 26 August 2011

Angekommen



Liebe Freunde im fernen Deutschland,

jetzt bin ich schon mehr als eine Woche in Indien und habe schon so viel erlebt, dass es längst nicht alles in eine Mail passt.
Am Sonntag den 14. August kamen wir vormittags in Chennai an.Draußen wartete ein Fahrer von dem Hostel auf uns, in  dem wir  untergebracht waren. Die Fahrt zum Hostel war unglaublich eindrucksvoll, beängstigend und vor allem heiß. Von den Verkehrsregeln, die ich in meiner Fahrschule gelernt habe, kann man hier keine anwenden. Die Fahrbahnmarkierungen, Anschnallgurte sowie sehr sparsam eingesetzte Zone 30 Schilder, dienen nur zur Dekoration und finden keinerlei Verwendung. Auf den Straßen sieht man häufig Motorräder, auf denen ganze Familien Platz finden.Vater, Kleinkind und die Mutter, die sich ein Neugeborenes unter den Arm geklemmt hat.
Die Tage in Chennai verliefen ganz gut für mich und die anderen beiden Freiwilligen.Da wir kein Einführungsseminar hatten wie die anderen Freiwilligen, die erst Anfang September ankamen, mussten wir uns selbst in diese neue Kultur einführen. Vor allem hatten wir mit dem für uns nur schwer verständlichen Englisch, dem wirklich scharfem Essen und der Hitze zu kämpfen. Wir machten aber auch einige nette Erfahrungen, vor allem mit den Inderinnen am Strand.Ein Maedchen holte ein Baby und drueckte es uns einfach einer nach der anderen in den Arm, als lebendige Attraktion sozusagen.
In Chennai haben wir uns unsere ersten Chudidars (bestehend aus einer Stoffhose einem langen  Shirt, und einem Schal, der über die Brust gelegt wird) gekauft. Dies ist die typische Kleidung für unverheiratete Frauen.
Irgendwie haben wir es dann geschafft uns ein Ticket für den Zug nach Trichy zu kaufen. Es dauerte einige Zeit bis ich verstand, dass die blauen Bänke, die übereinander mit einer Hängevorrichtung an der Wand befestigt sind, keine Gepäckablagen sondern Liegen sind, auf denen man schlafen kann. In Trichy holte uns dann unser Chef und seine Frau ab.
Wir fuhren zu ihrer Wohnung und bezogen ein Zimmer in der Wohnung unter ihnen.In den letzten Tagen haben sie uns gut mit nicht zu scharfem Essen versorgt. Die nächsten drei Monate werden die beiden in den USA sein. Daher hat unser Chef uns mitgeteilt, dass wir in diesen Monaten in einem Jungenheim arbeiten werden,in einem kleinen Dorf, eine Stunde mit dem Bus von Trichy entfernt.
Seit einigen Tagen wohnen wir schon in diesem Jungenheim in einem Dorf, dass so klein ist, dass es nicht einmal einen Obststand gibt. In diesem Heim wohnen ca. 90 Kinder mit und ohne Behinderungen.
 52 % von ihnen haben eine Behinderung. 30 von ihnen sind Taubstumm. Einige Kinder sind blind oder haben Autismus.Als wir ankamen nahm mich ein taubes Kind an die Hand, führte mich herum und erklärte mir alles mit seinen Händen.
 Später hat jedes Kind seinen Namen gesagt, in welche Klasse und auf welche Schule es geht. Meine Mitfreiwillige und ich konnten uns leider nur einen der vielen Namen merken. Martin!
Die nächsten Tage haben wir eine Menge zu lernen. Tamil, die tamilische Gebärdensprache, Südindische Küche und eine Menge Namen. Jetzt schreibe ich euch aus Trichy , der naechst groesseren Stadt, in die wir uns am Wochenende zurueckziehen koennen, da wir immer noch ein Zimmer hier haben im Hause unseres Chefs.Alles in allem hatte ich hier einen guten Start, mit freundlichen und toleranten Leuten, die uns wie es scheint viel Raum und Zeit geben uns hier einzugewöhnen. Ich hoffe es geht euch allen gut. Ich schicke euch ein paar Sonnenstrahlen. Hier gibt es genügend.

Ganz liebe Grüße Marlena