Sunday, 23 October 2011

freedom is just another word for nothing left to lose




Es ist an der Zeit von meinem ersten Urlaub zu berichtren, der nun schon zwei Wochen zurück liegt.Ich wollte mit Luise nach Auroville, einer Hippiekomune an die Ostküste fahren und dort einige andere Freiwillige treffen, die mit unserer Partnerorganisation ausgereist sind. Bei der Planung, was wir alles mitnehmen müssten änderten sich plötzlich die Dimensionen unserer Gepäckstücke, da wir nicht so viel mit uns herumschleppen wollten. So wurde das Gepäck, das zuerst in einen Backpackerrucksack passte auf Tagesrucksackgröße minimiert. Wir stellten fest, dass wir eigentlich noch weniger brauchten, bis wir uns entschieden einfach garkeine Klamotten mitzunehmen und jeden Abend zu waschen. Letztendlich haben wir eine kleine Handtasche für uns beide mitgenommen. Auf ein Handtuch haben wir dann auch verzichtet weil es nicht mehr in die Tasche gepasst hat. Das war egal. Wir hatten ja beide einen Baumwollschal dabei, den wir zu unserer Chudidar am Körper trugen und den wir als Handtuch benutzen konnten. So machten wir uns auf den Weg.Wir fuhren beide nach Tanjavur um den Geburtstag einer anderen Freiwilligen zu feiern. Von dort auf machten wir uns auf den Weg nach Pondicherry der nächst größeren Stadt in der Nähe von Auroville. Es gab allerdings keine Direktverbindung. So kam es dazu, dass wir nachts um halb drei ziemlich müde an einem kleinen Bahnhof ankamen, an dem wir bis um halb sieben warten mussten, um den Anschlusszug zu nehmen. Wir wickelten uns in unsere Schals ein und legten uns einfach auf den Boden sowie die Inder es auch immer  tun. Als wir in Auroville angekommen sind haben wir uns erst mal eine Bananenblätterhütte gemietet und uns zwei Mofas geliehen. Der ein oder andere von euch erinnert sich sicher daran, dass ich zwei Tage vor meinem Abflug nach Indien, meine Führerscheinprüfung vermasselt habe. Das hat sich in Auroville auch gleich bemerkbar gemacht als ich mit Luise, die hinter mir saß, von einem Feldweg gefahren bin, irgendwie die Kontrolle verloren habe und wir mit dem Mofa abgeschmiert sind. Zum Glück sind wir beide mit einer Wunde am Knie davon gekommen.
In Auroville leben Menschen aus der ganzen Welt zusammen, bieten Yogakurse an, arbeiten, lernen  unterschiedliche Sprachen voneinander und fahren mit ihren Mofas vom einen Meditationszentrum zum andern. Man sieht dort viele übriggebliebene Hippies aus der 68 Bewegung mit Leinenklamotten, Batikhemden, langen Haaren und Rauschebart.Gegründet wurde Auroville in den 70ern von einer halb gütig halb gruselig dreinschauenden alten Frau die mittlerweile verstorben ist aber deren Gesicht in jedem Gebäude in Form von Fotos oder Gemälden an der Wand hängt.
In Auroville hört man englisch, deutsch, italienisch und vor allem französisch und kaum tamil. Einige Menschen leben dort seit 20 Jahren und sprechen kein Wort tamil, da in Auroville jeder Englisch spricht und sie ihre  europäische Komune eigentlich nie verlassen. So fühlten wir uns, die wir nun seit über zwei Monaten in Indien sind, deutlich indischer als so manche Aurovillianer. Auf die Frage was Ulrich, ein Hamburger der seit vielen Jahren in Auroville lebt, denn dorthin verschlagen hätte, schaute er für einige Sekunden in den Himmel und antwortete: “Ich würd mal sagen....höhere Bestimmung!“
Das mit dem Waschen hat in der Regel eigentlich ganz gut funktioniert. Nur einmal hatten Luise und ich  unsere Chudidars draußen zum Trockenen aufgehangen und sind unter die Dusche gegangen. Hier fängt gerade die Regenzeit an. Ab und zu wird man von heftigen Regenschauern überrascht. Dieser setzte ausgerechnet ein als wir unter der Dusche standen. Wir wickelten uns beide in unsern Schal und rannten nach draußen um unsere einzigen Klamotten von der Leine zu holen.

Nach einigen Tagen, die wir am Strand, Im Jogazentrum oder auf dem Mofa verbracht haben, verließen wir unsere Hütte,schnappten uns unsere Handtasche und fuhren nach Pondicherry um dort die anderen Freiwilligen zu treffen.Wir mieteten uns 2 Zimmer mit Dachterasse, die sich sehr gut eignete um unsere Klamotten auf einer Wäscheleine aufzuhängen. Jonathan, ein Freiwilliger hatte sich unserer Bewegung angeschlossen und ebenfalls nur Wechselunterwäsche dabei und leistete uns also abends beim Waschen Gesellschaft. In Pondicherry haben wir viel Zeit am Strand, in französischen Cafés in Mofas und Rikscha verbracht, die uns von einem Ort zum anderen bringen sollten. Auf einer Fahrt von Auroville nach Pondicherry, die 20 Minuten dauerte und eher unbequem war, da wir uns zu fünft in eine Rikscha quetschen mussten, verlor ich meinen einen Flip Flop, da meine Füße aus der Rikscha raus baumelten und lief den Rest des Tages barfuß durch Pondicherry.
Luise, Jonathan und ich brachen ohne die anderen in die Berge auf.  Auf den Weg dahin übernachteten wir in einer kleinen Stadt um von dort aus mit dem Bus hoch in die Berge zu fahren.wir gingen in ein Restaurant um zu Frühstücken und wurden gleich von einem ziemlich aufgeregten Inder empfangen, der uns mitteilte, dass eigentlich wegen eines Feiertages geschlossen sei wir aber trotzdem unser Frühstück bekommen würden. Er war ziemlich erstaunt,als wir auf die Frage ob wir aus West oder Ostdeutschland kommen würden, antworteten, dass es nur noch ein Deutschland gäbe und die Mauer schon vor einigen Jahren gefallen sei. Er meinte dann auch dass das ganz gut sei, da wir eh alle gleich sind. Letzendenendes wurden wir vom Restaurantbesitzer dann zum essen eingeladen, taten ihm aber den gefallen ein paar Fotos von uns schießen zu dürfen. Als wir dann in den Berge ankamen,war es ein ziemlich witziger Anblick, wie ganze Familien mit Strickmützen, Jacken und Schal bekleidet die Straßen entlang liefen. In den Bergen ist es ziemlich kalt, ich musste das Kozept ohne Klamotten reisen aufgeben und mir eine Fließjacke kaufen. Wir blieben auch nur eine Nacht und fuhren mit Max einem Studenten aus Mainz, der mir und Luise hin und wieder mit ein paar frischen Tshirts eine Freude gemacht hat weiter in einen nahegelegenen Nationalpark. Wir konnten Elefanten, Pfauen, Affen und einige andere Tiere beobachten. Spontan sind wir dann mit Max weiter Richtung Gokarna gefahren, einem Ort, von dem  man gut zu palmenübersähten, ziemlich ruhigen Stränden laufen kann, an denen wir die letzten Tage unseres Urlaubes verbringen sollten. Auf dem Weg dahin machten wir einen Zwischenstop in Mysore, einer wunderschönen Stadt mit dem schönsten Markt, den ich bis jetzt in Indien gesehen habe. Frauen und Männer verkaufen ihre Ware aufgetürmt zu riesigen Haufen.


                                                Berge von Blumen verströmen einen angenehmen Duft, der sich mit den Parfümölen, für die Mysore bekannt ist ,vermischen. Rose, Sandelholz, Jasmin und Lotus vermischen sich mit dem Geruch von frisch aufgeschnittener Ananas,Haufen von Gewürzen oder Räucherstäbchen. Eine Frau zeigte uns sogar, wie man Räucherstäbchen herstellte. Mein erster Versuch sah allerdings noch nicht ganz wie ein Räucherstäbchen aus. Auf diesem Markt habe ich als Bananenhasserin mal eine Indische gekostet und war garnicht soo abgeneigt. Nach dem wir uns den berühmten Palast von Mysore angesehen haben, sind wir in den Zug gestiegen und nach Gokarna weiter gefahren. Von dort aus sind wir eine gute Stunde über die Klippen gewandert, bis wir an unserem Strand angekommen sind. Wir mieteten uns zwei kleine Zimmer, direkt am Strand und genossen es, in dem kleinen Restaurant am Strand Meeresfrüchtenudeln, Pizza und wirklich gute Cocosnusslassis zu trinken und uns mit den paar Europäern zu unterhalten, die ebenso wie wir ein paar ruhige Tage am Paradisebeach verbringen wollten.
So trafen wir zum Beispiel die Grundschulstudentin Judith, die auf Ayurveda schwört und mehr so der luftige Typ ist, den Abiturienten Paul, mit dem wir uns später in Mangalore noch ein Zimmer nahmen um Geld zu sparen. Paul  klappert  seit zwei Wochen die Touristengebiete in Indien ab, setzt sich gerade mit dem Thema Tod und Vergänglichkeit außeinander und  hat uns erst mal aufgeklärt, dass hier in Indien die Liebe ja noch garnicht angekommen ist, die Leute furchtbar arm seien und sich hier ja dringend mal was ändern müsste.Von Mangalore aus fuhren wir am nächsten Tag dann 14 Stunden zurück nach Trichy und weiter nach Vadugarped zurück in unser Projekt. Dort proben wir fleißig Weihnachtslieder,unterrichten Englisch, lernen etwas Tamil und wie man Blumenketten knüpft. So sende ich ganz liebe Grüße nach Tanzania, Kambodscha, Costa Rica, Namibia, England,China,Kamerun, Ghana,Thailand, Kreta, in die Niederlande, nach Bremen, Mainz, Stuttgart, Goslar und ins gute alte Braunschweig.

1 comment:

  1. Liebe Grüße aus Kamerun nach Indien. Eure Reise klingt unglaublich aufregend, und die Bilder machen Lust, sofort seine sieben Sachen in eine Handtasche zu packen und nach Indien zu fliegen.
    Alles Liebe,Lena

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