Ich werde euch nun von meinem
unglaublichen Trip in den Norden Indiens berichten.
Wie geplant sind Caro,
Luise und Ich nach Chennai um dort unsere Flüge nach Kalkutta und
Delhi zu nehmen. Da unsere Flüge morgens gingen, mussten wir eine
Nacht in Chennai bleiben. Glücklicherweise, haben wir am Wochenende
zuvor zwei Spanier kennen gelernt, die in Chennai arbeiten. Die
beiden haben uns also angeboten in einem ihrer Zimmer in einem sehr
edlen Hotel zu übernachten. So wurden wir zum Grillen eingeladen
und sind noch ein Mal in den Swimmingpool gesprungen, bevor wir uns
in das super weiche Bett schlafen gelegt haben.
Am nächsten Tag bin ich
dann nach Kalkutta geflogen. Am Bahnhof hab ich ein Mädchen gefragt,
wie ich mit günstigen Verkehrsmitteln in die Innenstadt komme. Ihre
Mutter hat mich darauf hin direkt zu meinem Hotel gefahren. Mein
Zimmer war so klein, dass ich mich kaum darin drehen konnte. Ich habe
mich durch die Straßen Kalkuttas treiben lassen.Mir hat die Stadt
ziemlich gut gefallen. Es spielt sich dort so viel Leben auf den
Straßen ab. Frauen die Waschen, Kinder die auf der Straße spielen
etc. Besonders in Kalkutta sind die Rikschas, die häufig von
alten, sehr abgemagerten Männern gezogen werden. Ich kann nicht
verstehen, wie sich sehr übergewichtige Touristen so durch die Stadt
fahren lassen können und das ganze als billige Touristenattraktion
sehen.
Gleich am ersten Tag habe
ich den Franzosen Tom getroffen, der mir das Viertel und ein besseres
Hotel gezeigt hat. So kam es dazu, dass ich in die modern lodge
umgezogen bin. Auf der
Dachterrasse trafen sich abends die unterschiedlichsten Reisenden. So
traf ich auf den alten Italiener Marco, der sich mit mir in sehr
langsamen Spanisch über italienisches Essen, die deutsche Mentalität
und die kulturellen Unterschiede in Südeuropa unterhalten hat.
Letzteres ist zu eines meiner Lieblingsthemen geworden.
Mit Tim und Tabetha war
ich noch im botanischen Garten. Ich habe den größten Banyantree der
Welt gesehen. Anschließend haben wir uns noch die größte
Bibliothek Asiens angesehen und konnten zusehen, wie alte Bücher mit
Hilfe von feinem Pergament, Chemikalien und Kleber Konserviert
werden. Ich war dann noch mit dem Niederländer Jorge im größten
Museum in Indien.
So gingen die Tage in
Kalkutta dahin. Ich bin bestimmt 5-6 Tage geblieben. Nachts um 11
sollte ich im Zug nach Varanasi sitzen. Der Zug hatte aber Verspätung
und ich musste bis um 4 Uhr warten. Der Bahnhof in Kalkutta hat mich
an meine Kindheit erinnert, da ich sehr häufig meine Ferien in
Zeltlagern verbracht habe. In Kalkutta legen sich, wie an den meisten
Bahnhöfen auch, alle Menschen auf die Erde und schlafen, bis ihr Zug
kommt. Dort konnte ich aber kaum die Farbe des Bodens erkennen, so
viele Menschen haben auf den Boden geschlafen.
Ich fand es schön in
Varanasi Luise und Caro zu treffen,
die zuvor in Delhi waren.
In Varanasi haben Caro
und Luise David aus London getroffen, der uns auf unserer Bootstour
begleitet hat. Auch er ist ein klassischer Indien reisender. Er kam
zum ersten Mal vor vielen Jahren nach dem Abi nach Indien. Seitdem
arbeitet er ein halbes Jahr in England und reist das andere halbe
Jahr durch Indien. Hier trifft man einige Reisende, die Indien so
verzaubert hat, dass sie jedes Jahr wiederkommen.
Am Nachmittag haben wir
dann unseren Zug nach Agra genommen, um uns eines der bekanntesten
und schönsten Gebäude der Welt anzusehen. Das Taj Mahal.
wenn ich nach einer
Nachtfahrt im Zug oder im Bus, morgens früh von tausenden
Autofahrern überfallen werde. Alle wollen wissen, wo ich den hin
will. Es ist schwer zu erklären, dass ich eigentlich keine Ahnung
habe wo ich hin will.
Da ist es auf jeden Fall
praktischer einen guten Reiseführer dabei zu haben. Sich morgens
früh schläfrig die Augen zu reiben und einfach auf eine Adresse im
Buch zeigen zu können.
Irgendwie hab ich aber
das Gefühl, dass es unmöglich ist einen schönen Platz selbst zu
entdecken ohne dass schon tausend andere Reisende dort gewesen sind.
Ich glaube sogar, dass
sehr viele Backpacker genau die gleichen Erfahrungen machen, weil
sich alle nach dem Lonely Planet richten und ins gleiche gemütliche
Hotel mit Dachterrasse fahren, den gleichen leckeren Apfelstrudel
essen etc. Man muss sich also gut überlegen, ob man mit oder ohne
Reiseführer reisen möchte.
Nachdem wir noch einige
Zeit mit den Italienern im Park herumgelegen haben, sind wir mit dem
Bus weiter nach Pushkar, einer kleinen gemütlichen Stadt an einem
See in den Bergen.
Dort haben wir David
wieder getroffen, der uns ein schönes Zimmer mit Swimmingpool für
weniger als fünf Euro organisiert hat. Dort haben wir dann auch
meinen 21 Geburtstag gefeiert. Caro und Luise haben mich mit einem
sehr niedlichen Geburtstagsständchen geweckt. Ich habe handgemachte
Jasminseife, einen orangen Turban und eine dreitägige Kamelsafari in
Jaiselmer geschenkt bekommen. Ich habe auch kleine Geschenke und
viele Glückwünsche von Freunden aus Deutschland bekommen. Vielen
Dank dafür!
Den Tag über waren wir
im Pool schwimmen und ich habe mit einer eiskalten Cola in der
Hängematte am Pool gelegen und Musik gehört. Hahahha, wer mich gut
kennt, kann sich sicher vorstellen, dass es keinen besseren Ort für
eine kleine Geburtstagsfeier für mich gibt, als an einem
Swimmingpool mit Hängematte. Abends haben wir in unserem Hotel noch
zwei Chilenen kennen gelernt. Ich habe mich die ganze Zeit auf
Spanisch unterhalten, was mir immer große Freude bereitet.
Nach Pushkar sind wir
dann nach Jaiselmer in den Westen Indiens, nahe Pakistan gefahren.
Eine richtige Wüstenstadt. Die Frauen tragen rote Saris mit goldenen
Borten und großen Ringen in Nase und Ohr.
Wir sind über den Markt
geschlendert und haben einen Japaner kennengelernt. Er war gerade
dabei, einen indischen Kioskbesitzer zu porträtieren.
Ich habe ihm das Angebot
unterbreitet ihn zu Mittagessen einzuladen, wenn er Caro, Luise und
mich im Gegenzug zeichnen würde.
Im Laufe des Mittagessen
stellte sich heraus, dass er in Japan Comiczeichner ist.
Wir verließen das Lokal
mit zwei ziemlich guten Portraits von Caro und Luise und einer
Zeichnung von mir als Superwoman. Mir gefällt diese Art des
Tauschhandels. Genauso habe ich es auch mit einer Friseuse aus der
Schweiz gemacht, die ich am Strand kennen gelernt habe. Sie schneidet
mir als gelernte Friseuse die Haare, Ich bemale ihr dafür im
Gegenzug die Hände mit Henna.
Jetzt aber zu unserem
unglaublichen Wüstentrip.
Früh morgens sind wir
dann mit einem Jeep in die Wüste aufgebrochen. Bevor wir in den Jeep
stiegen, fiel mir ein alter Mann mit einem großen Turban und einem
riesigen Korb mit Pfauenfedern auf. Er erinnerte mich stark an das
Cover einer GEO die ich besitze. Auf diesem ist ein
Pfauenfedernverkäufer aus Rajasthan abgebildet. Dieses Bild hatte
ich immer im Kopf, wenn von Rajasthan die Rede war. Nachdem ich ihm
eine Feder abgekauft hatte und ein Foto schießen durfte, fragte er
mich nach meiner Herkunft. Als ich ihm dann sagte ich sei aus
Deutschland, zog er stolz eben diese deutsche Zeitschrift aus der
Tasche auf der er abgebildet war. Was für ein Zufall!
Ich muss versuchen mich
etwas kürzer zu fassen, sonst nimmt dieser Blogeintrag kein Ende
mehr.
In der Wüste also wurden
wir mitten in der Pampa ausgesetzt, wo schon vier Kamele und zwei
nette Kamelmänner auf uns warteten.
Uns wurden unsere Turbane
gebunden, die uns gegen die Sonne schützen sollten und wir ritten
los.
Es ist ein ziemlich
lustiges Gefühl von einem Kamel durch die Steppe getragen zu werden.
Es ist eine wackelige und nach einiger Zeit auch eine schmerzhafte
Erfahrung. Ich setzte mich schnell um, in den Damensattel, da es
gemütlicher für mich war.
Ich hatte großen Spaß
daran im Traben in den Damensattel zu wechseln und wieder zurück.
Nach dem ersten Tag waren wir alle total fertig.
Aber es war sehr schön
über dem Feuer Chapati zu machen und nachts den wunderschönen
Sternenhimmel mit Milchstraße zu betrachten.
Besonders schön fand
ich aber auch die Atmosphäre in der Wüste beim Sonnenaufgang. Wir
wurden mit Toast, Marmelade, gekochten Eiern und Chai geweckt.
Den kommenden Abend
übernachteten wir nicht weit entfernt von einer kleinen Steinhütte
wo eine Familie wohnte. Unser Kamelführer war selbst seit über neun
Jahren nicht mehr dort. Es schien so, als hätten die Wüstenkinder
sehr selten Besuch von Ausländern gehabt,vielleicht sogar
niemals.Die Frau wollte sich mit uns fotografieren lassen. Das
Mädchen
Wie schön es war.
Wir bewunderten den
Schmuck der Frauen und liefen zu den Ziegen um sie gemeinsam zu
melken.
An diesem Abend habe ich
auch versucht auf einem Kamel ohne Sattel zu reiten. Dies ist
definitiv nicht zu empfehlen weil es höllisch wehtut. Deshalb bin
ich im Traben auch abgesprungen.
Am nächsten Tag habe ich
mir von unseren Kamelmännern Wüstengeschichten erzählen lassen und
geholfen Chapati zu machen.
Die beiden begleiten
Kamelsafaris seit sie 13 sind. Beide sind in einem Wüstendorf
aufgewachsen und sind kaum älter als ich.
Nach drei Tagen ohne
fließendem Wasser, stürzten wir alle drei gleichzeitig ins Bad um
zu duschen. Viel Zeit zum ausruhen blieb uns nicht. Am selben Tag,
fuhren wir mit dem Nachtbus nach Udaipur. Dort haben wir viel Zeit
bei unserem neuen Kumpel und Schneider Rakesh verbracht. Ich bin mir
ziemlich sicher, dass er der Beste in Udaipur ist. Bei ihm waren
schon Professor McGonnagall, Judi Dentch und Bill Nighty, die in
Udaipur einen Film gedreht haben. Wir haben Tage lang mit Rakesh
gequatscht uns Kleider und ein Jackett schneidern lassen. Dort habe
ich den besten MasalaChai getrunken.
Meine Mädels und Ich
haben es uns zur Aufgabe gemacht, neue Kunden zu werben. Wie hat
Rakesh gelacht als er Tag für Tag mehr Kunden auf seiner Couch
sitzen sah, als er seine Boutique betrat. Am Ende habe ich sogar eine
Art Jobangebot bekommen.
Für mich war es aber an
der Zeit, langsam nach Süden aufzubrechen.
Ich hatte ein Ticket nach
Mumbai gebucht, um abends im Mumbai meinen Anschlusszug nach Goa
nehmen zu können. Am Bahnhof habe ich dann Tim wieder getroffen, der
mir zuerst in Kalkutta begegnet ist, später wieder in Agra und
Varanasi. Zufälligerweise hatte er den gleichen Zug nach Mumbai und
auch den Anschlusszug nach Goa im gleichen Abteil wie ich. Als wir am
nächsten Morgen im Mumbai ankamen, traf ich am Bahnsteig zwei
Kolumbianerinnen, mit denen ich mich schon in Undaipur unterhalten
hatte. Tim und Ich sind mit den Beiden in ihre WG gefahren. Dort
konnte ich duschen und mir mit den anderen eine Pizza bestellen. Es
war nett in so einer internationalen WG zu sitzen, Henna zu malen,
Pizza zu essen, sich mit Brasilianern, Kolumbianern und Afrikanern zu
unterhalten. Gemeinsam haben wir ihr Viertel erkundet und mit den
Kids Cricket gespielt. Im Zug nach Goa habe ich noch einen Engländer
kennengelernt, mit dem ich dann gemeinsam mit Tim nach Palolem
gefahren bin. Ich konnte nochmal ins Meer springen und duschen bevor
ich in den nächsten Zug nach Kochi im Norden Keralas gestiegen bin,
in dem ich mich immer noch befinde. Es ist jetzt gleich 13 Uhr und
hinter mir liegt die dritte Nacht im Schlafwagen. Langsam sehne ich
mich nach einem richtigen Hotelzimmer. Ich habe vor, nach Alleppey zu
fahren, eine Backwatertour zu machen und noch zwei oder drei Tage am
Strand zu verbringen, bevor ich zurück nach Trichy fahre.
Weiterführung des
Blogeintrages (Zurück im Süden)
Genauso habe ich es dann
auch gemacht. Ich bin am gleichen Tag noch weiter nach Alleppey und
habe meine Backwatertour gemacht. In ganz Alleppey habe ich nicht
einen einzigen Touristen gesehen. So saß ich ganz alleine in meinem
kleinen Ruderboot und wurde von einem freundlichen Inder über den
Fluss getragen. Es war ein sehr schöne Bootstour und ich habe es
genossen, so ganz alleine über den von Palmen eingerahmten Fluss zu
gleiten.
Jetzt schreibe ich euch
aus Kovalam, dem Strandort in Kerala, zu dem ich auch manchmal am
Wochenende fahre.
In zwei Tagen geht es
zurück nach Trichy. Ich bin gespannt, wie es dann in der Schule für
mich und Luise weiter geht in den letzten Wochen meines
Indienaufenthaltes.
Langsam wird mir bewusst,
dass ich die Möglichkeit des einfachen, billigen Reisens, dass mit
soviel Spaß, Begegnungen und Erfahrungen verbunden ist, nicht mehr
so schnell haben werde.
„Hey where are you
from?“
Dies ist der
Schlüsselsatz, mit dem immer eine neue Geschichte beginnt
Durch diese einfache Frage
eröffnen sich mir so viele Welten.
Ich habe auf dieser Reise
schon so viel gelernt. Ich weiß jetzt zum Beispiel, dass Chilenen
anders fluchen als Spanier.Wenn in einer Speisekarte in Italien das
Gericht Spagetti Bolognese auftaucht, ist es ein Lokal für Touris.
Irländer müssen zwei Mal zu einem Sommercamp in dem Irisch
gesprochen wird, eine Sprache die wie latein eigentlich tot ist. Ich
kann auf italienisch sagen: „Das weiße Hemd und die rote Hose
steht dir sehr gut!“ Ich kann einschätzen wann ein Autopreis
definitiv zu hoch ist. Ich weiß wie Kamelpupse riechen und dass es
besser ist die Liege im obersten Schlafwagen zu bekommen, um nicht
von Indern abgefasst zu werden.
Ich weiß, wie das Meer
sich verändert, wenn der Monsun bevorsteht, warum Kunst keine Kunst
mehr ist, wenn Verkaufszahlen im Vordergrundstehen und was dies für
das Theater in der Schweiz bedeutet.
Ich habe Adressen und
Einladungen von Leuten aus Deutschland, Italien, Spanien, Schweiz,
Chile, Kolumbien, Österreich, England und Israel.
Mein kleines
Reisebüchlein ist voll mit kleinen Sprachkursen in den
unterschiedlichsten Sprachen, Empfehlungen für die schönsten
Strände auf den kleinsten verlassenen griechischen Inseln. Ich habe
Tipps für tolle Workingcamps in der ganzen Welt, und fast einen
ganzen Reiseführer mit Reisegeheimtipps für Brasilien, Ecuador,
Chile, Kuba, Kolumbien und Peru.
Dies ist das Ende eines
sehr positiven Blogeintrages und es bleibt, wie sehr oft in letzter
Zeit,ein kleiner Zweifel beim Verfassen dieser Zeilen, ob es wirklich
schon an der Zeit für mich ist ein Studium zu beginnen.
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