Mir ist zu hören gekommen, dass es noch fleißigere Blogger gibt als mich. Aber was soll ich denn auch die ganze Zeit am Computer sitzen und schreiben, da komm ich garnicht zu, weil ich jeden Tag soviel erlebe.Hinter mir liegt ein wunderbarer Urlaub und der Einstig in meine neue Arbeit.
Ich berichte aber von Anfang an. Nachdem Luise und Ich unsere Weihnachtsfeier erfolgreich hinter uns gebracht haben, sind wir los nach Kerala. Zuerst sind wir nach Trivandrum,die Hauptstadt von Kerala, wo wir nur eine Nacht Zwischenstop gemacht haben. Am frühen Morgen sind wir nach Kanyakumari aufgebrochen, dem südlichsten Punkt von Indien. Man kann die Promenade entlang laufen und der Horizont ist unendlich weit und der Sonnenuntergang war unheimlich schön anzusehen.
Am Tag darauf sind wir weiter nach Kovalam, wo wir die Weihnachtstage verbrachten. Ein ziemlich schöner aber sehr touristischer Strandort mit sehr klarem Wasser und beeindruckenden Fischschwärmen. Für die Weihnachtstage haben wir in einem teureren Hotel eingechekt mit Pool und allem drum und dran. Das war aber eine ziemliche Enttäuschung. Der Weg zum Strand war ziemlich lang, das Frühstück so schlecht, dass wir es ausfielen ließen, und der Pool eigentlich überflüssig, da das Meer zum Baden ausgezeichnet war. Wir haben trotzdem ein richtig schönes Weihnachten am Strand verbracht. Luise und ich haben Heiligabend in der german bakery ein drei Gänge Menü genossen, mit sündhaft teurem Wein. Danach haben wir am Strand Weihnachtslieder gesungen. Unsere Familien und Freunde haben uns Briefe, Kekse und ein paar Kleinigkeiten geschickt. Ich hab von Luise ein schönes Schmuckkästchen bekommen, mit einem goldenen Armreifen drin.Luise hat von mir blaue Seide bekommen, aus der sich Luise ihr Silvesterkleid hat schneidern lassen.Eigentlich war die Stimmung sehr weihnachtlich und schön und ich wäre nicht gern in Deutschland in der Kälte gewesen.
Am ersten Weihnachtsfeiertag haben wir unser Hotel verlassen und sind in ein kleines sauberes Zimmer direkt am Strand gezogen.
Den ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag habe ich am Strand gelegen und gelesen oder mir von dem netten Japaner, dessen Name ich vergessen habe, sein Surfbrett ausgeliehen. Außerdem habe ich Matthias aus Kopenhagen kennen gelernt, der mir zwei CDs seiner Band Altmodisch geschenkt hat.Am 26. September sind wir dann nach Varkala dem nächsten Strandort, an dem aber mehr junge Leute ihren Urlaub verbrachten und nicht wie in Kovalam hauptsächlich Familien und Rentner.
In Varkala hatten wir das beste Guesthouse dass man sich vorstellen kann. Für 5€ einen Raum mit zwei Betten und einem kleinen Bad, mitten im Palmenjungle.Es dauerte nicht lange bis wir den Israeli Rea kennen lernten, der mit einem Mottorrad durch Indien reiste und in Tel Aviv Nightlive-photograph ist. Die restlichen Tage waren wir mit ihm unterwegs, lagen in seiner Hängematte, am Strand oder auf den Dach unseres Bungalows, und redeten viel über die politische Situation in Israel und seine Zeit in der Armee. Es ist komisch diese Geschichten zu hören, von Einsätzen um Palästinänser zurückzudrängen, Kampftechniken und Freunden, die dabei gestorben sind. Sicher habe ich schon solche Geschichten gehört aber von alten Leuten, Großeltern oder aus dem Fernsehen. Nicht aber von einem jungen Mann, der kaum älter ist als ich.
So kam es, dass es sich manchmal so anfühlte als würden wir in Tel Aviv am Strand sitzen und dort Falafel essen.
Ursprünglich hatten Luise und ich vor, zu Silvester nach Pondicherry zu fahren um dort mit einigen Bekannten zu feiern. Leider hat zu diesem Zeitpunkt ein heftiger Sturm ganz Podicherry und Auroville und einige andere Orte an der Ostküste von Tamil Nadu verwüstet, sodass wir entschieden in Varkala zu bleiben. Dies war garnicht schlecht, denn zu meiner Freude lernten wir einige Spanier kennen. So konnte ich endlich mal wieder ein bisschen Spanisch sprechen und mich über die Unterschiede zwischen Nord und Südspanien, die hohe Arbeitslosigkeit und gutes spanisches Essen unterhalten. Obwohl ich ziemlich aus der Übung bin, konnte ich sehr holperig (sicher mit vielen Fehlern)fast alles sagen, was ich sagen wollte. Das hat mich sehr gefreut und erneut den Wunsch in mir geweckt, irgendwann eine Zeitlang in Spanien zu wohnen.
Silvester haben wir also gut zusammen gegessen und zwölf Glockenschläge bevor das neue Jahr beginnt, mit jedem Glockenschlag eine Traube zu gegessen,so wie manes in Spanien macht und wie ich es letztes Jahr mit einem spanischen Freund auch in Braunschweig gemacht habe. Direkt neben uns gab es ein tolles Feuerwerk und wir feierten wirklich happy new Year. Zwei Tage später machten wir uns wieder auf den Weg zurück nach Trichy.
Wir bezogen das neue Zimmer im Haus von unserem Chef und seiner Frau. Wir werden die nächste Zeit in der Holy Angel School arbeiten, einer Grundschule+ Kindergarten. Ich beginne meinen Arbeitstag um 09:45 und unterrichte die 2-3 Jährigen. Am Anfang war ich etwas irritiert, da zwei bis drei Jährige Kinder in Deutschland im Schlamm spielen oder sich die Bauklötze klauen. Ich soll die ersten 45 Minuten Buchstaben
auf englisch unterrichten. Ich halte also Gegenstände in die Höhne, und die Kinder sollen mir sagen, was für ein Gegenstand es ist und mit welchem Buchstaben er beginnt.
Diese ersten 45 Minuten sind die anstrengendsten des ganzen Tages. Die Kinder sind laut, hören nicht auf mich, verstehen mich nicht oder ignorieren die Gesten die ich mache um ihnen zu erklären, dass sie still sein sollen oder sich hinsetzen müssen. Meistens ist die Lehrerin dabei, die ab und zu etwas für sie in Tamil übersetzt, was ich auch als sinnvoll erachte.
Die nächsten Stunden sind besser. Ich hole mir immer drei Kinder von den Größeren aus dem Kindergarten heraus, gehe in einen extra Raum und bringe den Kinder mit Hilfe meiner Zeichnungen an der Tafel und einem Dominospiel die Obstnamen bei.
Danach unterrichte ich die erste Klasse, die gerade Berufe lernt. In einer anderen Kindergartenklasse unterrichte ich den Unterschied zwischen Haustieren und wilden Tieren. Nach der Mittagspause, in der wir mit der Schulleiterin gemeinsam essen, unterrichte ich noch eine fünfte Klasse. Ich habe die Kinder Steckbriefe schreiben lassen und sich gegenseitig vorstellen lassen. Ich habe auch Fotos gemacht die ich morgen ausdrucken gehe, um sie zu den Steckbriefen in die Klasse zu hängen. In der kommenden Zeit werde ich aber mit ihnen die Vergangenheitsformen durchgehen.Ich habe erst eine Woche richtig unterrichtet, da letzte Woche ein Festival in ganz Tamil Nadu war und wir viel frei hatten, deswegen weiß ich noch nicht, wie sich meine Arbeit entwickeln wird. Meine Chefin möchte, dass ich vor allem viel mit den Kindern auf Englisch rede, sodass die Lehrer,welche in meinem Unterricht anwesend sind, ebenfalls beginnen in ganzen englischen Sätzen mit den Schülern zu sprechen, was zur Zeit nicht der Fall ist.
Während des Festivals sind Luise und ich wieder nach Podicherry gefahren, um zu sehen was der Sturm angerichtet hat und um alte Bekannte zu treffen.
Schon auf der Fahrt dort hin haben wir unzählige umgefallene Bäume gesehen und davon geblasene Dächer von instabilen Strohhütten.
Insgesamt sind durch diesen Sturm circa 40 Leute umgekommen. Wenn ihr in Deutschland nichts davon mitbekommen habt,wundert es mich nicht. Eine Französin sagte, in Frankreich habe man von all dem nichts mitbekommen und es wäre anscheinend nur eine Person ums Leben gekommen. Das außer dem einen Franzosen 39 Einheimische ums Leben gekommen sind, hat die Presse nämlich unterschlagen.
Abgesehen davon macht es mich auch ziemlich wütend, dass die Materialpreise für neue Dächer wegen der hohen Nachfrage dermaßen in die Höhe geschossen sind, dass sich die Einheimischen keine neuen Dächer leisten können.
Mittlerweile hat sich Podicherry trotzdem ganz gut von dem Sturm erholt, während es in Auroville vor einigen Tagen immer noch kein fließend Wasser und Strom gab.
Trotz dieser Schwierigkeiten war es schön mal wieder in Pondicherry zu sein, welches für mich und Luise langsam wie ein zweites Zuhause wird. Ich genieße es alte und neue Gesichter zu treffen und Menschen, die mich wieder erkennen. In Trichy fällt es mir jedoch schwer einen Freundeskreis aufzubauen. Inderinnen in meinem Alter dürfen ohne ihre Eltern kaum auf die Straße und der Kontakt zu Männern ist im konservativem Trichy nicht möglich. Immer wieder treffe ich nette Menschen, die mich fragen woher ich komme, was ich mache und wie ich heiße. Nachdem ich ihnen meinen Namen nenne ist die Unterhaltung leider oft vorbei und es ist schwer über diese oberflächlichen Gespräche hinaus, mit Indern in Kontakt zu kommen.
Ich beginne also feste Bezugspersonen zu vermissen und genieße den Kontakt zu andren Europäern und den Indern, die ich in Pondichery kennen gelernt habe. Deswegen freue ich mich, dass uns bald Luises Bruder Konni, der wie viele von euch wissen ein sehr guter Freund von mir ist, uns mit meiner alten Freunden Hannah besuchen kommt.


Hallo Marlena,
ReplyDeletehabe heute mit deiner Mutter telefoniert und sie hat mir gesagt, dass du in Indien bist und einen Blog hast. Habe alles gelesen und finde es sehr spannend. Ich bin selbst noch nie in Indien gewesen, obwohl ich schon oft daran gedacht habe. Deine Beschreibungen geben mir einen kleinen Einblick jenseits des Touristischen.
Also, noch viel Spaß in Indien und viele aufregende Erlebnisse.
Liebe Grüße,
Axel